Ansiedlung von Juden in Kaisersesch
Wie und wann es zur Ansiedlung von Juden in Kaisersesch gab ist nicht dokumentarisch belegt. Es ist aber anzunehmen, daß nach der Verleihung der Stadt- und Marktrechte im Jahre 1321 durch König Ludwig dem Bayern der Ort als Marktflecken für handeltreibende Juden, denen im Mittelalter Besitz und das Erlernen eines Handwerkes durch die strengen Gildenvorschriften untersagt waren, attraktiv wurde.
Es ist also möglich, daß schon im Mittelalter Juden in Kaisersesch gelebt haben. Diese sind dann wahrscheinlich durch die Willkür der meist katholischen Herrscher aus dieser Gegend wieder ausgewiesen worden.
Im Leben der Juden wechselten sich so Jahre der Blüte mit Jahren der Verfolgung ab. So wies 1418 der Erzbischof Otto von Trier die Juden aus seinem Territorium aus, weil diese durch das Aufkommen der großen Finanzhäser nicht mehr benötigt wurden. Im 16. Jahrhundert dagegen fand eine völlige Neuansiedlung von Juden statt. Denn am 02.05.1547 gab der Kurfürst 34 jüdischen Familien die Erlaubnis sich im Erzstift Trier niederzulassen. 1618 wurde eine Judenordnung erlassen,die besagte, daß den Juden ohne ausdrückliche Genehmigung des Kurfürsten der Aufenthalt verboten war. Da sie von nun an ihren Kramhandel in Großstädten nur noch in geschlossenen Wohnbezirken ausüben durften, wanderten viele Juden aufs Land aus, da dort keine Beschränkungen bestanden.
Aus dem Jahre 1808 stammt eine Aufzählung aller Juden im heutigen Kreise Cochem-Zell, in dem zu dieser Zeit 319 Juden lebten. Angaben, daß in Kaisersesch Juden lebten sind nicht darunter.
Die ersten Zahlen stammen aus dem Jahr 1856, in dem 13 Juden in Kaisersesch gelebt haben sollen. Daß sich in dieser Zeit Juden hier angesiedelt haben, ist etwas verwunderlich, weil die Stimmung in den neuerworbenen preußischen Rheinprovinzen eher judenfeindlich war, denn hier trat das Emanzipationsedikt von 1812 nicht in Kraft.
Wahrscheinlich ist der 1852 eingeführte Kram- und Viehmarkt schon auf eine Initiative eines oder mehrerer jüdischer Händler eingeführt worden, denn Sylvian Siegler, ein 1937 im Alter von zwölf Jahren mit seinem Vater Bernhard in die USA ausgewanderter Jude, glaubt, daß vor seinem Vater schon drei Generationen in Kaisersesch gelebt haben.
Damit steht fest, daß die Anfänge der jüdischen Gemeinde des 19. und 20. Jahrhunderts zwischen den Jahren 1808 und 1856 zu finden sind.