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Verhältnis der Juden zur übrigen Bevölkerung

Ein gutes Beispiel um das Verhältnis zwischen Juden und den restlichen Kaisersescher Mitbürgern aufzuzeigen, ist das silberne Priesterjubiläum von Dechant Sauer, der vom 12.09.1921 bis zu seinem Todestag am 28.09.1945 in Kaisersesch tätig war. An jenem Tag begrüßte der Dechant im Gasthaus Wagener in der Koblenzer Straße neben den Pfarrangehörigen auch einen ganzen Tisch jüdischer Mitbürger, die ihm herzlichst zu seinem Jubiläum gratulierten.

Auch die Tatsache, daß 1926 zu 20. Gauturnfest und zum silbernen Jubiläum des Turn- und Sportvereins 1901 Kaisersesch der Name Siegler als Riegenführer der Zöglinge von 8-9 Jahren genannt wird, ist ein Beweis dafür, daß sich die Juden in Kaisersesch am Vereinsleben beteiligten, angesehen waren und nicht benachteiligt wurden.

Aber auch in anderen Vereinen waren die Kaisersescher Juden Mitglieder. So auch im Kegelclub, wie das ein Photo aus dem Jahre 1929 beweist.

Als großzügigen Spender eines Fußballs weist die Chronik des Turn- und Sportvereins den Juden Eberhard Siegler aus. Dieser spendierte den Ball, als sich 1923 die ersten Fußballer Auf dem Wassem ( heutiges R-Kauf Gelände ) zum Spielen trafen.

Daß katholische Mitbürger ihren jüdischen Freunden trotz Strafandrohung geholfen haben, zeigen Beispiele aus der Zeit vor und während des zweiten Weltkrieges.

Als im Hause Mayer ein männliches Familienmitglied gestorben war, traute sich niemand, ihn zu beerdigen. Da faßte sich Franz Klinkner, ein entfernter Nachbar, ein Herz und fuhr den Verschiedenen in einer Trauerprozession zum Judenfriedhof außerhalb des Ortes. Die nachfolgende Schickane der Nationalsozialisten störte ihn nicht.

Noch mutiger war Hannes Mayer, der es selbst in dem schrecklichen Moment der Deportation wagte, sich von seinen Freunden zu verabschieden. Von diesem Vorhaben ließ er sich auch nicht von der begleitenden SA abbringen. Aber nicht alle Bürger waren so mutig und hilfsbereit, sondern standen den jüdischen Bürgern eher mißtrauig gegenüber.

So erzählt man sich Anekdoten über einen Lehrer, der in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg in der Kaisersescher Schule unterrichtete:

Frooms Max, ein jüdischer Schüler, hatte sich in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg bei seinem Lehrer beschwert, einer seiner Mitschüler habe stinkiger Jud zu ihm gesagt, worauf dieser ihm grinsend antwortete:Dann hättest du halt stinkiger Christ zu ihm sagen sollen!, was ja lange nicht das gleiche war und worüber der Lehrer in seiner Überlegenheit und Arroganz natürlich gut spotten hatte.

Dieser Lehrer war überhaupt immer giftend und ungerecht hinter den jüdischen Schülern her, und als er nun alt und zittrig, aber immer noch mit seinem zittrigen Lächeln, seinen aus dem ersten Weltkrieg heimgekehrten ehemaligen jüdischen Schüler Moritz Siegler begrüßen wollte, ließ dieser ihn einfach stehen.

Im großen und ganzen ist uns ein Bild vom Zusammenleben der jüdischen und katholischen Büreger überliefert worden, daß zeigt, daß die Juden in der Gemeinde integriert waren und von den Mitbürgern akzeptiert wurden. Bis zum Anfang von Hitlers Herrschaft scheinen sie ein normales Leben geführt zu haben, ohne politische Verfolgung und Haß von seiten ihrer Mitbürger.

Auf diesem Photo befinden sich zwei jüdische Mitbürgerinnen: Obere Reihe, zweite von rechts Frieda Siegler mittlere Reihe, ganz rechts Friedchen Siegler

Kegelclub