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Emigration jüdischer Mitbürger

Vielen Juden aus dem Amtsbezirk Kaisersesch gelang es, Deutschland noch vor der Reichsprogromnacht im November 1938 zu verlassen. So konnten sie sich vor der Deportation ins Konzentrationslager ins sichere Ausland retten, um dort ein neues Leben zu beginnen. Hauptemigrationsland war die USA, aber auch nach Palästina sind Juden ausgewandert. Etwa 10 jüdische Mitbürger zogen nach Köln um, womit sie sich allerdings nicht dem Einzugsbereich der Nationalsozialisten entzogen. Als einziger emigrierte Julius Siegler 1936 nach Luxemburg, wo er aber sicherlich rasch nach Kriegsbeginn wieder unter dem von Hitler propagierten Judenhaß litt.

Die folgenden Daten stammen aus der Antwort des Amtsbürgermeisters Simmig vom 08.06.1946 auf die Anfrage der Kreisverwaltung Cochem über Juden im Amtsbezirk Cochem vor und während des Krieges. Diese Namen beziehen sich auf den ganzen Amtsbezirk Kaisersesch und sind daher nicht in die einzelnen Ortschaften unterteilt. Eine Zuordnung zu den einzelnen Orten war mir nicht möglich, da mir keine Bevölkerungslisten der einzelnen Orte von den Jahren um 1934, dem Beginn der Emigration, vorlagen. Auch kann nicht davon ausgegangen werden, daß die Listen vollständig sind, da einige Namen der deportierten Mitbürger aus Kaisersesch fehlen. Da für diesen Punkt nur die Emigranten wichtig sind, werde ich auch nur diese und die in dieser Zeit Verstorbenen aufzählen.

Name verstorben ausgewandert nach
Bender, Denny   1938 Köln
Bender, Alies und 6 Kinder   1938 Köln
Mayer, Ernst   1937 Palästina
Siegler, Bernhard 1974 USA 1937 USA
Siegler, Lilly   1937 USA
Siegler, Julius   1936 Luxemburg
Mayer, Abraham 1939 Kaisersesch  
Mayer, Henriette 1936 Kaisersesch  
Mayer, Elias 1939, Köln  
Mayer, Frieda   1935, Köln
Mayer, Johanna   1937 Palästina
Mayer, Karl   1937 USA
Mayer, Lilly   1937 USA
Mayer, Oskar   1935 USA
Hesse, Hermann   1935 USA
Hesse, Siegmund   1937 USA
Hesse, Ehefrau + Kind   1937 USA
Kaufmann, Richard   1934 USA
Kaufmann, Ehefrau   1934 USA
Kaufmann, Berth.   1936 USA

Durch den Besuch von Joshua Liberson im Mai 1992 in Kaisersesch ( siehe Kapitel 10 ) erfuhr ich, daß sein Großvater Bernhard Siegler zwei Kinder hatte, die in dieser Liste nicht aufgeführt sind, was ein weiterer Beweis für die Unvollstädigkeit der Liste ist.

Sie hießen Sylvian ( geboren 1925 ) und Manfred ( geboren 1930 ). Auch berichtete er, daß ein Cousin der Familie als erster in die USA ausgewandert war, und nun versuchte jedes Mitglied der Familie zu sich zu holen. Dafür brauchte er sehr viel Geld, denn er mußte jedes mal einen großen Betrag nach Deutschland senden, um einige Mitglieder der Familie zu retten. Besonders tragisch an dieser Sache ist, daß dieses Geld dreimal gestohlen wurde und somit verhindert wurde, daß alle Familienmitglieder gerettet werden konnten. Deshalb mußte Moritz Siegler und seine Familie hier in Deutschland bleiben und hilflos mitansehen, wie sie in den Tod geführt wurden.