Deportation der jüdischen Bürger von Kaisersesch
Schon Wochen vor der Deportation wurden die 16 Juden aus Kaisersesch zusammen mit 4 Mitgliedern der Familie Hessel aus Hambuch, 2 Mitgliedern der Familie Davids aus Dügenheim und ca. 15 Juden aus Binningen, bei denen es sich um die Familien Haas, Schmitz und Marx handeln könnte, die im Gedenkbuch der Bundesregierung als aus Binningen deportierte Juden registriert sind, im Haus von Moritz Siegler in der Hambucher Straße untergebracht. Daß es nicht angenehm war mit ca 35 Personen in einem Haus zu leben, kann sich wohl jeder selbst vorstellen und verdeutlicht die Geringschätzung, die die Nationalsozialisten gegenüber den Juden hatten. Eine Wache wurde vor dem Haus postiert, das nur mit Genehmigung der örtlichen SA-Gruppe zum einkaufen verlassen werden durfte. Nach ihrer Rückkehr wurden sie grundsätzlich nach nicht gestatten Gegenständen untersucht.
In der Nacht wurden die Juden von beherzten Nachbarn durch das hinter dem Haus liegende Gartengelände mit zusätzlichen Lebensmitteln versorgt..Am 29.04.1942, einen Tag vor der Deportation, durften sie zum letzten mal einkaufen gehen. An diesem Tag gingen sie unter anderem auch zu der Sattlerei meines Großvaters Jakob Wagener, der ihnen Riemen an ihren Säcken befestigen sollte, damit sie sie besser tragen konnten. Dort berichteten sie, daß sie einen Brief erhalten hatten, in dem stand, daß sie sich am 30.04.1942 um 10 Uhr an der Molkerei zwecks Ausrottung einzutreffen haben.
Einen Tag später gab es für die SA keine Probleme, die ca. 35 Juden in Richtung Molkerei zu lenken, wo ein Viehwagen auf sie wartete. Es gab keinen Protest, den man wußte selbst aus den Erfahrungen der letzten zwölf Monate, daß Protest und Aufbegehren zwecklos, ja sogar tödlich sein konnte. So gingen sie dann mit schleppendem Schritt, vorne und hinten von SA eskortiert, den Cochemer Weg hinunter. Da keine großen Koffer, sondern nur Handgepäck erlaubt war, trugen sie mehrere Kleidungsstücke unter ihren aufgebauschten Mänteln, auf denen der gelbe Judenstern prangte. Auf einem der Strohballen, die auf dem Viehwagen lagen, so berichteten Augenzeugen, die hinter zugezogenen Fenstern erschreckt und nicht den Mut habend, den Juden zu helfen, das Szenario beobachteten, wurde Frieda Wolf gelegt, die gehbehindert und schon längere Zeit bettlägrig war.
Wie schon berichtet erfuhren die Juden dann doch noch eine menschliche Geste, als sich Hannes Mayer bei ihnen noch per Handdruck persönlich verabschiedete. Auch von der SA ließ er sich von diesem Vorhaben nicht abbringen. Als alle dann auf dem Wagen Platz genommen hatten, wurde die Heckklappe des Wagens umgeschlagen und man sah nur noch die Hüte und Haarschöpfe der Menschen über die Seitenwände hervorschauen.
Der Wagen setze sich in Bewegung und brachte die jüdischen Mitbürger in ihr Verderben.