Die Arbeit auf dem Hof
Mein Vater kaufte im Jahre 1904 eine Mähmaschine mit vier rechenartigen Flügeln. Wir nannten sie kurz die Flügelmaschine. Es war eine englisches Fabrikat, Marke "Walter a Wood". Dieser Name war auf dem gußeisernen Sessel eingeprägt. Mit dieser Maschine haben wir das ganze Getreide gemäht. Man konnte durch einen Hebel vom Sitz aus den zweiten, dritten oder vierten Rechen das Getreide abwerfen lassen vom Tisch, auf den die Frucht fiel. Öfter konnten wir nur von einer Seite mähen, wenn das Getreide umlag. Roggen wurde gleich gebunden und in Gruppen zu fünf oder mehr Garben aufgestellt. Roggen wurde mit Roggen gebunden. Für Gerste und Hafer wurden Strohseile verwandt.. Diese fertigten wir im Winter an. 120 Bund zu je 60 Stück wurden jedes Jahr neu gemacht. Später haben wir mit der Flügelmaschine auch den Samenklee gemäht. Jedes Feld brauchte nur rundherum mit der Sense angemäht zu werden. Bis zur Anschaffung dieser Maschine mußten die Felder mit der Sense gemäht werden. Das erforderte viel Tagelöhner, wir nannten diese Männer "Mader". Ich kann mich daran aber nicht mehr erinnern. Aber das weiß ich noch gut, daß sämtliche Wiesen von Madern gemäht wurden. 30 Madertage waren normal. Wir Kinder mußten die Männer für einen bestimmten Tag bestellen. Meist mähten vier Mann hintereinander. Als mein Vater 1914 den Grasmäher kaufte, haben wir zuerst nur Klee zu Heu und Futter gemäht. Einige Zeit später auch die Wiesen, sogar en "Grund" und die Mühlwiese um Unterdorf. Heu wenden, zusammenrechen wurde mit Handarbeit getan. Lose aufladen mit Heugabel. Ein Wieselbaum wurde auf die fertige Fuhre gespannt, damit nichts herunterfiel. Das Heuabladen war auch nicht einfach. Wieder gabeln! Wir Kinder mußten festtreten. Als wir aus der Schule waren, mußten wir in der Abladereihe stehen und gabeln helfen. Unter dem Dach wurde das Heu tüchtig festgetreten. Heu hatten wir immer sehr viel, denn der Winter war lang. Das Pferdeheu lagerten wie auf dem Maschinenschuppen. Es war meist das weniger gute.
1924 ließ der Vater den Heustall über dem Viehstall vergrößern. Ein ca. 3m hoher Aufbau, Bretterverschlag mit Heutür auf der Hinterseite des Stalles. Dadurch hatten wir schon viel Platz gewonnen und brauchten nicht mehr damit knausern. Es waren drei Ablademöglichkeiten vorhanden: zum Hof (dort wurde dann auch das Heu im Winter herunter geworfen), an der Giebelseite, zwei Heutüren übereinander. Dieser Platz war überdacht. Die dritte Heutür war, wie schon erwähnt, an der Hinterseite des Stalles.
Wir konnten fünf Erntewagen zusammenbauen, zwei davon mit sechs Meter langen Leitern. In die Mistwagen wurden entsprechend lange Langbäume eingebaut. War Regen in Aussicht, wurden möglichst alle Wagen beladen und unter Dach gestellt. Zum Abladen war nach dem Regen Zeit genug. Oft wurde mit Wechselwagen eingefahren, ein Wagen im Hof abgeladen, einer war nach Heu unterwegs. Waren genug Leute da, waren zwei Fuhrwerke unterwegs. So wurde es auch in der Getreideernte gemacht. 1925 kaufte mein Vater einen Schwadenwender, eine Heumaschine für ein Pferd. Damit konnten wir Heu wenden und durch Umschalten in Schwaden rollen, bis sie dick genug waren zum Aufgabeln. Viel Handarbeit wurde durch diese Maschine erspart.
Wir hatten immer ca. fünf Morgen (1 ¼ ha) Kartoffeln angebaut. Diese wurden hinter dem Pflug an die Furche angedrückt oder es wurden mit dem Einschärjäter Furchen gezogen und dann mit dem Jäter wieder zugezogen. Die Kartoffelernte fingen wie erst Anfang Oktober an. Dann hatten die kleinen Landwirte ihre Kartoffeln im Keller und konnten uns helfen. Mit der Kartoffelschleuder, die von zwei Pferden gezogen wurde, fielen die Kartoffeln etwa einen Meter breit auseinander. Futter- und Speisekartoffeln wurden gleich in Körbe sortiert. An jedem Ende stand ein großer Kastenwagen für die dicken und ein Wagen in der Mitte des Feldes für kleine Kartoffeln. Das Abladen war denkbar einfach. Der Wagen wurde rückwärts ans Kellerloch geschoben, vor dem die Kartoffelhorde stand; über ein Holzgestell mit Gefälle aus Leisten, durch deren Zwischenräume der anhaftende Acker fiel, rollten die Kartoffeln in den Keller. Verkauft haben wir nur selten Kartoffeln.
Um 1928 wurde mein Vater Mitglied beim Kartoffel-Saatbau-Verein Lewin. Wir bauten dann ca. ½ ha Hochzucht an, deren Ertrag dann als anerkanntes Saatgut verkauft wurde. Die wurde in Mieten über den Winter aufbewahrt und im zeitigen Frühjahr in verplombten Säcken, die erst mit Etikett versehen wurden, an die Besteller versandt. Ich war Schriftführer des Vereins. Er bestand bis 1941. Rüben wurden nur höchstens 2 Morgen angebaut. Dafür war das Klima zu rauh und der Boden nicht gut genug. Mit der Hand wurden die Rübenkörner auf Furchen gesteckt und später vereinzelt. Später drillten wir mit der Sämaschine auch die Rüben. Wann mein Vater die Sämaschine anschaffte, weiß ich nicht. Sie war schon da, als ich noch nicht zur Schule ging.
Um 1926 kaufte mein Vater einen gebrauchten Breitdrescher, mit dem wir den Roggen zu Seilen und zu Häcksel gedroschen habe. Bis dahin wurde das dafür notwendige Langstroh mit Dreschflegeln gedroschen. Die Roggengarben wurden auf der Holztenne in zwei Reihen nebeneinander gelegt, mit den Ähren gegeneinander. Gewöhnlich waren vier Leute, die um gleichen Takt zuschlugen. Nach einem Durchgang wurden die Garben gewendet und wieder gedroschen. Das Stroh wurde dann in große Bunde gebunden und in der Scheune aufbewahrt. Das Flegelstroh eignete sich besser zu Seilen, da es weicher war. Meine Schwester Maria und ich haben noch Flegeldreschen gelernt. Einen besonderen Ehrgeiz hatten die Landwirte, morgens recht früh in der Scheune zu sein, denn die meisten hatten Holztenne, auf der man das Flegeldreschen im halben Dorf hörte.
Ehe die Dreschmaschinen in Mode kamen, wurde alles Getreide mit Flegeln gedroschen. Wann mein Vater die Dreschmaschine mit Schüttler und Sieb anschaffte, ist mir nicht bekannt, Bei kleineren Landwirten habe ich es noch nie gesehen, daß vier Männer die Maschine gedreht haben. Auf jeder Seite zwei Mann an derselben Kurbel. Das war, bevor die große Dreschmaschine da war, sicher bei uns auch so. Mit Göpeln, ein Zahnradgestell im Freien, davor zwei Pferde oder Ochsen an einen Göpelbaum gespannt, ging es immer rundherum in derselben Spur. Jemand, oft auch ein Kind, mußte das Vieh im gleichen Tempo treiben. Eine Eisenstange übertrug die Pferdekraft auf ein Vorgelege in der Scheune, von dem ein Treiberiemen zur Maschine ging. Wer die Garben auf den Tisch gab, mußte auch unter dem Sieb die Frucht herausrechen. War der Haufen groß genug, wurde mit der Windfege (Wurfmaschine) Korn, Spreu und Strohteile voneinander getrennt. Ein Mann drehte, der andere schüttete oben in die Maschine.
Zu kurzen Pausen wurde die saubere Frucht abgesackt, auf dem Boden (Speicher) aufgeschüttet oder zum Verkauf abgewogen. Zuerst wurden mit der Dreschmaschine die Köpfe vom Stroh getrennt, dann das Schüttelwerk außer Betrieb gesetzt und die Kleeköpfe acht bis zehn mal durch die Dreschtrommel gejagt. Das geschah mit einem stumpfen Reiserbesen. Danach wurden mit der Windfege die Kleekörnchen von den noch eingehosten 14 Früchten getrennt. Diese wurden später wieder acht bis zehn mal durch die Dreschtrommel gejagt. Dann wieder über die Windfege. Das wiederholte sich bis nur noch Spreu und Samen übrigblieb. Eine langweilige Arbeit, die nur bei Frost getan wurde. Ich kann mich erinnern, daß wir elf Fuder Kleesamen hatten von dem wie elf Zentner Samen droschen. Das brachte immer eine schöne Einnahme. Zu normalen Zeiten erhielten wir für Rotklee 80-90 Mark, für ----klee 100 Mark und mehr für 50 kg. Beim Dreschen hatte vor allem der Einleger viel Staub zu schlucken. Mein Vater hatte schon jahrelang einen Staubsauger an der Dreschmaschine, eine Erfindung des Lewiner Stallmachers Klesse. Der Staub wurde in einem Bretterabzug ins Freie geleitet. Dadurch war es fast staubfrei um die Dreschtrommel. Mein Vater kaufte 1940 einen Kleereiber, eine Maschine, die in einem Arbeitsgang die zuvor von Stroh getrennten Kleeköpfe zu fertigen Samen zerrieb. Vier Bauern hatten diese Maschine zu gleichen Teilen: Welzel Josef, Letzel Anton, Maier Max und wir. Auf dem Pferdeschlitten lies sich der Kleereiber ohne viel Mühe von einem Bauern zum anderen fahren. Standort war in unserer Scheune.
Im Herbst 1936 kaufte ich eine Dreschmaschine mit Reinigung. Die bisherige kaufte Nachbar Josef Welzel. Wir mußten dann drei Pferde im Göpel anspannen. Ein durchgehender Göpelbaum angebracht, an einem Ende zwei, am anderen ein Pferd. Dies Maschine ersparte uns die Arbeit an der Wurfmaschine. Der die Garben auf den Tisch dem Einleger zureichte, wechselte auch die vollen Säcke aus. Sie stand auf Rädern. 1938 kaufte mein Vater eine gebrauchte Strohpresse. Sie war nicht vollautomatisch. Der Mann an der Presse mußte die Ballen, die durch auswechselbare Klammern die gleiche Größe hatten, mit Strohseilen binden. Beeilen brauchte er sich nicht. Auch das Strohstapeln war einfacher. Die Ballen benötigten wenig Platz.
Den Kauf des Bindemähers 1940 verdankte ich einem Zufall. Ich war Anfang August bei meiner Schwester Anna in der Hoffmann-Schmiede. Da sagte der alte Hoffmann-Schmied: "Heinrich, für Dich habe ich einen Binder bestellt!" Da ich kein Geld dafür hatte, sagte ich, daß es mir nicht möglich ist, eine solche Maschine jetzt anzuschaffen und Wechsel unterschreibe ich nicht! "Das überlaß' nur mir" sagte Hoffmann. Als ich daheim dem Vater davon erzählte, war er natürlich strikt dagegen. "Host doch kä Geld!" Wir reden heute noch manchmal davon. Eines Tages telefonierte Hoffmann zu Marwan, daß der Binder am Bahnhof Lewin abzuholen sei. Kastenwagen und Ketten mitbringen! Der Vater holte mit dem Zweispännerwagen das Gestell und die Kisten ab. Ich hatte einen Bindemäher noch nie in Betrieb gesehen. Sehr neugierig waren wir, wie alles klappen würde. Wir spannten drei Pferde an und fuhren in ein Haferfeld. Schwager Gerhard stellte dann verschiedenes, vor allem den Knüpfer, noch richtig, bis die Garben gut gebunden herausfielen. So mähten wir das halbe Feld ab. Dabei machte mich Gerhard auf wichtige Hebel und Schrauben aufmerksam. Als die Probefahrt beendet war, waren auch die Garben aufgestellt. Die Bindetücher wurden entspannt und Garben darauf gelegt. Es sah nach Regen aus. Wir konnten drei Wochen nicht weitermachen! Der Hafer war keinen Tag richtig trocken. Die anderen Landwirte konnten in dieser Zeit etwas Getreide bergen, vormittags umdrehen, gegen Abend binden. Unsere Haferpuppen wurden grün! Wir mußten die Garben aufschneiden, auseinanderreißen und dann mit Strohseilen binden. Der meiste Hafer war verdorben und das Stroh dumpfig. An diese erste Arbeit mit dem neuen Binder muß ich noch heute, nach bald 37 Jahren denken. Das ganze Dorf war wohl damals schadenfroh. Als ich dann bei gutem Wetter weiter mähte, erlebte ich neue Überraschungen. Eine Garbe wurde gebunden, die anderen nicht. Ich knüpfte das Garn zusammen, fuhr weiter, genau das gleiche. Nun hob ich den Deckel von der Garnbüchse, zwei Mäuse sprangen heraus! Sie hatten die Garnrolle in der Mitte zerfressen und ein Nest von den Fasern gebaut. Das war eine Lehre für die Zukunft.
1941 hatten wir schweren Roggen, der durcheinander lag. Ich war mit dem Binder im ersten Rundgang, die Haspel immer wieder vollgewickelt mit Roggen. So ging es nicht weiter! Wäre ich nur gut raus aus dem Durcheinander! Wir mußten mit der Sense einen Ausgang frei mähen. Dann versuchten ich es mit der Flügelmaschine. Auch mit der konnte ich nicht mal von einer Seite mähen, es schnitt immer wieder Ähren ab. Dann haben wir mit dem Grasmäher den Roggen gemäht. Es war ja dahinter eine tolle Arbeit, rechte Garben zu binden, aber es ging ohne größeren Verluste. Was ich damals nicht verstanden habe, man konnte die Haspel abmontieren, einen zweiten Sitz anbringen und von diesem mit einem Knüppel die Lagefrucht aufs Tuch werfen.
Ein alter Pferderechen, drei Meter breit, war auch da. Die Automatik mit dem Fußtritt klappte nicht mehr, es mußte mit dem Handhebel ausgehoben werden. Aber wir haben damit Felder und Wiesen immer nachgerecht. Auch ein alter Düngerstreuer, drei Meter breit, gehörte zu unserem Maschineninventar. Mit diesem wurde der ganze Kunstdünger und der Kalk gestreut. Welzel Robert, unser Nachbar, sagte zu meinem Vater: "Du werscht nee asuviel Tenger sträan, wenn de mit der Hand sällst!" 1938 kaufte ich einen Gabelheuwender. Mit diesem und dem Schwadenwender hat der Vater oft gearbeitet. So hat er sich nützlich gemacht, wo er konnte.
Erwähnenswert ist noch die Viehwaage. Sie stand im Maschinenschuppen. Darauf wurde das Schlachtvieh aus dem Dorfe gewogen. Nutzvieh wurde meist "von der Hand" gehandelt, d.h. ein fester Kaufpreis wurde vereinbart und durch Handschlag bekräftigt. Hinterher wurde manchmal der "Greinkaaf" getrunken. Als dann, ungefähr 1037, der Viehmarkt in Sackisch eingerichtet wurde, mußte das Schlachtvieh dort angemeldet werden. Es wurde dort gewogen und taxiert. Wir brauchten die Viehwaage dann nur noch für unser Vieh, wenn wir uns über Gewichtszunahme überzeugen wollten. An de Stelle im Heuschuppen, wo die Viehwaage gestanden hatte, machten wir eine Bretterbude. In diese wurde die ganze Spreu von der Reinigungsmaschine geblasen.
Ein offener Kutschwagen und ein Landauer, an dem das Lederverdeck heruntergeklappt werden konnte, waren für die Fahrten im Sommer da. Für den Winter ein Einspännerschlitten und der später eingehandelte, große Kutschschlitten mit Rücksitz. Mit diesen Fuhrwerken fuhren wir manchmal zu Verwandten, wenn Taufe oder Schweinschlachten war- Manche Leute im Dorfe bestellten uns auch zu Hochzeits- oder Tauffahrten. Als meine Mutter schon schlecht gehen konnte, fuhren wir sie sonntags zur Kirche nach Lewin. Später sind mit dem kleinen Schlitten auch meine Frau und die Nachbarsfrau Welzel zur Kirche gefahren. Sie banden das Pferd an der Kirche an einen Baum und deckten es gut ein. Diese vier Fahrzeuge hatten ihren Platz auch im Hofschuppen. An Ackerbearbeitungsgeräten hatten wir einen Kultivator mit fünf und einen mit neun Zinken. Die Eggen waren aus Holzbalken mit eingebrannten Eisenzinken. Eine dreiteilige Egge nahm einen drei Meter breiten Streifen. Wir benutzten sie zum Scholleneggen. Die Saategge war fünfteilig, ganz aus Eisen. Zwei alte Geflüge waren auch noch da. Diese hatten ein separates Pfluggestell mit zwei Rädern. Auf diesem Pfluggestell ruhte der Pfluggründel. An diesem waren ein Eisenkranz, zur Einstellung der Furchtiefe. Auch am Pfluggestell konnte man den Tiefgang einstellen. Einen solchen Pflug mußte der Bauer an den beiden Griffen halten und steuern. Später kaufte ich einen eisernen Selbstgänger. Dann hatten wir noch den Schälpflug, zwei Scharre unten, zwei oben. Die Walze war ein glattes Holzklotz.
Mein Vater erzählte, die es in seiner Jugend mit der Fruchtfolge aussah. Die Klee-Grasfelder wurden erst im dritten Jahr angebrochen. Dem Rotklee wurde Thymote-Gras beigemischt. Die Mischung säte man in Hafer. Der Klee war im nächsten Jahr die Hauptfrucht. Im nächsten Jahr war das Thymote-Gras die Hauptfrucht. Es lieferte das erste Grünfutter und auch gutes Heu. Im dritten Jahr wurden diese Brachfelder mit Holzstangen eingezäunt und diese mit Strohseilen an die Pfähle gebunden. Dann wurde das Vieh hineingetrieben. Nach dem Abweiden wurden die Zäune wieder weggeräumt und es begann die schwere Arbeit des Brachereißens. Die Instrumente waren von den dörflichen Handwerkern angefertigt. Der Tiefgang mußte vom Bauern mit beiden Händen an den Griffen geregelt werden. Kreuz und quer wurde der Rasen gerissen und tüchtig geeggt. Im Juni/Juli wurde Stallmist darauf gefahren. In Reihen wurden gleich große Häufchen abgeladen. Frauen breiteten den Mist mit vierzinkigen Gabeln auseinander. Danach wurde der Mist seicht untergepflügt und meist angewalzt. Nach ca. 14 Tagen wurden diese Felder klargeeggt und es folgte die Saatfurche. Da in diese Zeit auch die Getreideernte fiel, mußte jeder Tag voll ausgenutzt werden. Spätestens am 15. September mußte der Roggen in der Erde sein damit er vorm Winter noch grün wurde. Das mir der frühen Aussaat mußten wir auch zu meiner Zeit so halten. Aber die dreijährige Brache und das Vieheinzäunen, jedes Jahr auf einem anderen Feld, habe ich nicht miterlebt. Die Roggenfelder wurden nach der Ernte wieder mit dem Reißer durchfahren und es folgte die Winterfurche. Dann um Frühjahr kam Hafer rein und im nächsten Frühjahr nochmal Hafer mit Klee und Grassamen. Zur Hackfrucht wurde meist nach einmal Hafer wieder Mist gegeben. Nach Hackfrucht wurde Gerste oder Sommerweizen gebaut. Saatgetreide und Kartoffeln wurden mit Bauern aus anderen Orten ausgetauscht, nur die Rübenkerne wurden jedes Jahr vom Händler gekauft. Auch Lein wurde gebaut. Daran erinnere ich mich auch noch. Ein blühendes Leinfeld war in seiner blauen Pracht immer ein schöner Anblick. Als Vater noch jung war und die große Bauernstube noch nicht unterteilt, standen darin zwei Handwebstühle. Es wurde auf diesem großen Hof vom eigenen Flachs gesponnen, gewebt und Gebrauchskleidung und Bettzeug selbst hergestellt. Die ganze Familie hatte auch den Winter über und bei jedem Wetter Arbeit genug. Die Kinder mußten den gesponnenen Faden spulen. Zum Spielen blieb nicht viel Zeit.
Wohl um 1966 wurde die große Stube unterteilt in Küche, gute Stube und Schlafzimmer. Von den Webstühlen habe ich bei uns nichts mehr gesehen. Aber bei kleinen Landwirten und Ziegenhaltern ging die Handweberei noch weiter bis in die 20ger Jahre. Das war auch im benachbarten Böhmischen so. Dort ging es noch bis Ende 1944. Hier möchte ich erwähnen, wie kraß der Unterschied zwischen den deutschen und den böhmischen Gebirgsbauern war. Während in unseren Dörfern viele ein Handwerk lernten oder sonst in Arbeit waren, lungerten viele junge Leute drüben herum. Einige Jungen wurden Musiker. Die Borawaer Kapelle wurde gern gehört. Sie spielte auch bei Mutter Marwan zum Tanz auf. Mein Vater hat viel gebaut und neue Dächer angeschafft. Wohnhaus mit Stall, Hofschuppen und Auszugshaus waren mit Stroh gedeckt, die Scheine mit Schindeln, der Ochsenstall hatte Pappdach. Der Vater bestellte rote Dachsteine. Diese kamen mir der Bahn nach Lewin, von dort holten wie sie mit Pferdewagen ab. Der Waggon mußte bald entladen werden, um nicht Standgeld zu bezahlen. Wir setzten die Dachziegel neben dem Waggon auf und holten sie in den nächsten Tagen ab. Zuerst bekam das Wohnhaus ein neues Dach, 1921 die Vorderseite der alten Schrotholzscheune, der Hofschuppen und schließlich das Auszugshaus. Der Ochsen- und Schweinestall hatte noch Pappdach. Dieses ließ ich 1941 durch Wellblech erneuern. Dafür mußte ich Bezugsscheine haben.
Unsere Stubenwände waren von Schrotholz und angeweißt. Unter dem Dach waren die Taubenschläge angebracht. Mein Vater ließ in den 20er Jahren am hinteren Wohnhaus , nach dem Teich zu, einen Anbau errichten, der unterkellert war. Wir hatten dadurch eine größere Küche und Schlafstube. Nach dem Hof zu war das Gemeindebüro eingerichtet. Auch der Hofschuppen wurde nach hinten zu vergrößert. Der Ochsen- und Schweinestall auch aus Schrotholz, ein richtiges Rattennest. Eine Wand nach der anderen wurde abgerissen und mit Klinkerziegeln untermauert. Die Decke wurde auf Eisenträger gewölbt. Als es ringsum fertig war, haben die Bauleute den Dachstuhl 1 ½ Meter gehoben. Er ruhte so über eine Nacht auf Holzstempeln. Zum Glück kam kein starker Wind auf, denn sonst hätte wohl der Dachstuhl daneben gelegen. Mit Klinkerziegeln der Trempel ummauert und der Dachstuhl gesichtet. Der nun viel größere Raum diente für Heu- und Strohvorräte.
Im Pferdestall und auch bei Ochsen und Schweinen waren Holzdielen ca. 16 x12 cm stark. Darunter war ein Hohlraum und ein Abzug für die Jauche. Der Kuhstall war gepflastert. Aus diesem und aus dem Pferdestall lief die Hauch in eine gemauerte Grube am Kuhstall und wenn diese voll war, in die zweite Grube um Hofe, ca. fünf Meter vom Bürofenster. Der Mistplatz war daneben und von den Stubenfenstern nur drei Meter weg. Mein Vater verlegte den Mistplatz an die Giebelseite des Ochsenstalles. Das hatte von Vorteil, daß sich die Pferde über den Hof, der eine ziemliche Steigung hatte nicht mehr so anstrengen mußten. Auf dem Platz des neuen Misthaufens war bisher der Gemüsegarten. Dieser wurde hinter dem Hofe angelegt und größer als der bisherige. Wir konnten die Schmalseiten des Zaunes herausnehmen und mit Pflug und Egge den Garten bearbeiten.
In den Ställen waren überall Eisenraufen für Stroh und Heu, die Futterkrippen aus Sandstein und die Pferdekrippen waren Tonschalen. Im Ochsenstall war eine unserer Wasserpumpen. Das Wasser wurde dem Brunnen hinter dem Ochsenstall entnommen. Es kam aus der Quelle im Keller des Auszugshauses. An diese Quelle stellten wir im Simmer die Butter oder sonstige Speisen, daß sie nicht verdarben. Aus dieser Quelle hatten wir auch unsere Hauswasserversorgung. Es lief in Holzrinnen bis ziemlich vor die Haustür in einen großen Holzbehälter, der überdacht war. Als Kinder sind wir wohl alle mal hinein gefallen, denn diese Anlage stand noch mehrere Jahre, als die Wasserleitung schon gebaut war.
Diese Wasserleitung ließ mein Vater um 1914 errichten. Auf den Feldern vom Hofe rauf wurde Wasser gefunden. In Dränagerohren lief es, strohhalmstark, in ein kleines Klärbecken, das in den 30er Jahren mit drei Zementstangen versehen wurde. 16 m unterhalb, direkt am Weg, der am Hof vorbei zu den Feldern und ins Böhmische führte, war dann der große Sammelbehälter, aus Klinkerziegeln in Zement gemauert. Das Bassin war mit dicken, behauenen Bohlen abgedeckt, daß auch das Vieh darüber gehen konnte. Ein Abflußrohr ließ das Wasser nicht höher als zwei Meter steigen. Wir hatten Wasser in der Küche, im Hausflur und im Kuhstall. Eine Herdschlange, Rohre in der geräumigen Feuerungsanlage, sorgte für immer warmes Wasser, das neben dem Kachelofen in einem 20 Liter fassenden Blechbehälter erwärmt wurde. Eine Warmwasserleitung ging auch in den Kuhstall. Morgens und abends wurde das Vieh mit gebrannter Kleie, die in dem gemauerten, großen Behälter um Kuhstall mit Warmwasser vermischt wurde, getränkt. Mit Eimern wurde es in die langen Krippen geschüttet. Den Pferden hielten wir die Wassereimer vor. im Ochsenstall war eine Pumpe. Das Wasser hierfür wurde dem fast ebenerdigen Brunnen hinter dem Ochsenstall entnommen. Es kam aus dem Keller um Auszugshause. Dies Wasser war, bis wir die Wasserleitung hatten, unsere Wasserversorgung. Es lief in Holzrinnen in einen großen Holzbehälter, vor den Stubenfenstern. Als Kinder sind wohl wenigstens einmal beim Spielen hinein gefallen. Dieser Behälter war überdacht. Öfters mußten die Holzrinnen gereinigt werden.
1939 ließ ich die Selbsttränke im Kuhstall anlegen. Da die Rohre durch den Hof schon 35 Jahre lagen, waren sie ziemlich verrostet. Auf Anraten meines Schwagers Gerhard Hoffmann (Lewin), der die Anlage installierte, gruben wir den Hof bis zum Sammelbassin und erneuerten die Rohre. In einigen Tagen war diese Arbeit getan und wir warne neugierig, wie die Kühe mit der Neuerung zurecht kämen. Es dauerte keine fünf Minuten, da fingen die Kühe zu saufen an.