Viehbestand
Wir hatten gewöhnlich drei Zugpferde und ein Fohlen. Fast jedes Jahr wurde die Abfohlboxe gebraucht. Im Pferdestall war Platz für vier Pferde. Die Fohlenboxe brauchte den Raum von zwei Pferden, dann hatten wir eines im Ochsenstall untergebracht. Durch Fohlenzucht konnten wir jedes Jahr ein Pferd verkaufen. Ein Gespann Zugochsen war auch immer da. Mit diesem habe ich, als ich aus der Schule war, pflügen gelernt. Diesen Lehrgang mußte jeder Junge, der auf dem Hofe beschäftigt war, durchmachen. Ich war richtig stolz, als ich die Pferde in die Hand bekam. Natürlich war damit auch Mehrarbeit verbunden. Ich mußte früher aus dem Bett – was mir sehr schwer fiel – Pferde füttern, Mist raus besorgen und putzen. Im Ochsenstall stand neben dem Zugochsen der Zuchtbulle und zwei junge Schnittochsen. Jedes zweite Jahr kauften wir einen Jungbullen aus einer guten Rotbundherde mit Abstammungsnachweis. Dadurch hatte sich die Milchleistung unserer Kühe von Jahr zu Jahr gesteigert. In den 30er Jahren schlossen wir uns der freiwilligen Milchkontrolle an. In unserem Dorf waren vier Landwirte dabei. Während dem Kriege habe ich diesen Posten einige Jahre getan.
Wir hatten elf Milchkühe und acht bis zehn Stück Jungvieh. Für das ganze Vieh mußte jeden Morgen Grünfutter geholt werden. Dabei wurde argwöhnisch darauf geachtet, wer zuerst auf dem Plan war. Wir hatten das erste Grünfutter in der Wiese vom Hofe runter, das mit der Trageradwer geholt wurde und nur den Milchkühen gereicht wurde. Von Anfang Mai bis nach der Getreideernte erstreckte sich das Futterholen. Dann ging das Viehhüten los, bis zum ersten Frost. Wir hatten immer einen "Kuhjungen", ehe wir Kinder Kühe hüten mußten. Der Kuhjunge war meist aus dem Böhmischen, um nebenbei deutsch zu lernen. Im Unterdorf hatten wir noch die "Mühlwiese", ca. 1 ha groß. Auf dieser machten wir zweimal Heu. Ob diese Wiese immer zum Hofe gehörte, wußte auch mein Vater nicht.
In den Jahren vor 1930 kauften wir meist vier Ferkel vom Händler, der durch die Dörfer fuhr. Sie wurden später von einem durchreisenden Schweinschneider kastriert. Zwei Schweine schlachteten wir jedes Jahr für unseren Bedarf, die anderen wurden ab Hof an den Fleischer verkauft. Gefüttert wurden die Schweine mit eigenen Erzeugnissen, Kartoffeln und Getreideschrot. Die Ferkel erhielten viel Magermilch. Jeder Landwirt war stolz, die dicksten Speckseiten an seinem Schlachttier zu haben. Es war ein schöner Brauch, daß jeder , der ein Schwein schlachtete, seinen Nachbarn eine Kanne mit Wurstgraupe ins Haus schickte. Als Kinder durften wir dies tun. Jedes hatte seine bestimmten Häuser zu beliefern. Wir erhielten von den Leuten 10, manchmal auch 20 Pfennig. Zum Wellfleisch waren meist Verwandte bei uns, auch Nachbar Marwan mit Frau. Der Fleischer machte alles im Hause fertig, auch die Blut- und Leberwürste. Der Speck wurde eingepöckelt und im Schornstein zum Räuchern aufgehängt. Für den fertigen Räucherspeck hatten wir neben den Schlafkammern eine Fleischstube unter dem Dach.
Wir haben dann mal, auf Anraten der Mutter, eine Jungsau zum Eber nach Lewin gefahren und hatten von da an selbst Ferkel. Nach und nach stellten wir uns ganz auf Ferkelzucht um. Als wir vier Zuchtsauen hatten, kauften ich einen Eber. Damit hatte die Fahrerei mit den Sauen ein Ende. Leider waren nicht genug Schweineställe da. So konnten wir nur sieben Zuchtsauen halten. Alle Winkel waren belegt, auch der Stall im Auszugshaus. Die Schlachtschweine haben wir die letzten Jahre gekauft. Sicher hätte ich später einen richtigen Schweinestall gebaut.
An Geflügel hatten wir ca. 25 Hühner, einige Gänse, manchmal auch Enten und Puten. Besonders im Kriege hatten wir viel Geflügel, denn das war nicht bewirtschaftet. Das durften wir frei schlachten. Das Federvieh lief tagsüber frei herum. Die Eier, die Butter und den Quark holten die Aufkäufer mit dem großen Buckelkorb jede Woche ab. Auch die jungen Tauben kauften sie. Die Bäder Kudowa und Reinerz waren gut Abnehmer für diese Produkte. Ehe der Anbau an die Wohnräume an der Südseite des Hauses da war, hatten wir die "Hühnerbühne" dort. Der Hühnerstall war dann eine heller, ebenerdiger Raum im Hofe, an der alten Schrotholzscheune.
Im geräumigen Hausflur stand der Kartoffeldämpfer und die Zentrifuge. Auch die Melkgeräte waren im Hausflur. In einer großen Wandnische mit zwei Türen waren Vorräte für den täglichen Gebrauch. Am hinteren Ende des Hausflurs war links die Küchentür, davor der mit Falltür versehene Eingang zum Keller. Darin, unter dem Anbau,, die Rüben mit der Rübenmühle. Die Rüben wurden dort gemahlen und in Körben in den Stall getragen, dort mit Spreu vermischt und dem Vieh in die Krippen geschüttet.
Gegenüber der Küchentür, im Hausflur rechts, war das Gewölbe, eine heller Raum mit Regalen für Brot, Einkochgläser, Mehl usw.. Auch zwei Kisten für Getreideschrot und Kleie und die Futtereimer waren darin untergebracht. Nach hinten zu ging es über zwei Stufen hoch. Dort war links die kleine Waschküche, geradeaus zwei Brillenklos und rechts die Werkstatt mit Hobelbank und Werkzeug. Aus diesem Raum, der über dem Kartoffelkeller war, führte eine Tür hinaus ins Freie und zum Gemüsegarten. Obstbäume standen in Richtung Marwan zwei Reihen. bis auf einen Baum waren es Vogelkirschen. Mein Vater hat dann mal einige Bäumchen gesetzt, aber ich kann mich nicht daran erinnern, daß wir mal eigenes Obst hatten. Wir kauften es billig in Järker oder Kreuzdorf oder auf dem Sonntagsmarkt in Gießtrübel. Unser Hof lag wohl zu hoch in 500m und hatte freies Hinterland.
Unsere Felder waren fast alle eben. Alle konnten wir mit Maschinen bearbeiten. Der Boden war ein Verwitterungsboden. Auf einem Strich gab es viel Steine, die wir auf Jungklee immer zusammen klaubten und in Kastenradwern auf die alten Steinrücken schütteten. Am Weg nach Borawa war eine Sandgrube. Diesen roten Sand benutzten wir für unsere Neubauten. Auch Leute aus dem Dorf holten sich Bausand dort. Das ausgegrabene Loch war unsere Müllkippe. Aber was fiel damals schon an Müll an, außer Scherben und Steinen. An einer Stelle gab es auch Lehm. Der Kuh- und Pferdestall, das Gewölbe und die erste Jauchegrube waren aus selbst gebrannten Ziegeln gemauert. Auch die Wölbungen der Ställe.