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 Der Wald

Zu unserem Hof gehörten ca. 18 ha Wald, meist Fichten. Davon waren gut die Hälfte 1945 schlagbar. Für den eigenen Gebrauch haben wir jedes Jahr einige Stämme im Sägewerk Gellenau zu Brettern, Bohlen oder Dachlatten schneiden lassen. Das Schnittholz wurde an der Scheunenwand fachgerecht aufgesetzt und eingedeckt. Einen Holzschlag machten wir nur, wenn Holz und Geld für einen Neubau gebraucht wurde. Während dem letzten Krieg hatten wir neben Vieh, Getreide, Heu und Stroh auch Nutzholz abzuliefern. Jedes Jahr etwa 10 m Langholz und 15 m Schleifholz. Das Langholz fuhren die Tassauer Holzfuhrleute ab, Schleifholz fuhren wir selbst mit Leiterwagen zum Bahnhof Lewin. Eine Ecke am Anfang des Waldes war mit z.T. sehr dicken Weißbuchen bestanden. War mal durch einen harten Winter oder durch große Dürre das Roggenstroh knapp, haben wir Buchenlaub als Einstreu verwand. Das Holzfällen besorgten wir in den Wintermonaten. Für unseren Heizungsbedarf machten wir dürre Bäume, meist aus den Kulturen ab. Zum Anpflanzen hatten wir zwei Leute aus dem benachbarten böhmischen Borawa, denen wir auch den Ziegenmist auf ihre Felder fuhren und die Feldarbeit machten. Drei Leute hatten Grundstücke diesseits der Grenze und zahlten dafür eine kleine Grundsteuer in Tassau. Es waren arme Handweber. Sie nahmen es auch mit der Ehrlichkeit nicht so genau. Jeden Herbst durften sie sich Laub und Reiser holen, die sie in großen Tüchern heim trugen zum Versetzen der Außenwände ihrer Häuser. Mein Vater wußte auch, daß sie es aus Not taten. In die großen Wälder um Borawa herum trauten sich nur wenige zum Pilze und Beeren sammeln, weil die Förster überall herumstreiften. Einmal war der Nachbar, der die Dorfjagd gepachtet hatte, Welzel Robert, mit meinem Vater in einer mondhellen Nacht im oberen Teil des Waldes, an der Feistkoppe. Dort gab es einige Felsen. In diesen haben sie einen ganzen Trupp Männern und Frauen aufgelauert, die eine Fichte absägten, zerteilten und alles, auch die Reiser heimwärts trugen. Welzel Robert hat mit der Schrotflinte einem Mann ins Bein geschossen. Alle ließen ihre Last fallen und rannten Richtung Borawa. Seitdem haben wir von größeren Diebstählen nichts mehr gemerkt. Als ich 1936 den Hof übernommen hatte, sagte ich dem böhmischen Tschapla, ich sprach damals leidlich Böhmisch, "Das Klauen hört jetzt aber auf!" Er sah mich mißtrauisch an. Dann sagte ich: "Wenn Du Holz brauchst, dann sag es mir, ich zeige Dir, was Du abhauen darfst und fahre es Dir noch gratis zu Deinem Haus!" Von da an hatte ich ihn als guten Freund gewonnen, denn Tschapla hat es bald drüben weiter erzählt.

Die Stöcke der Fichten gruben die Leute im Dorf gern aus. Stockholz gab gute Feuerung. Wir fuhren es den Leuten ohne Fuhrlohn zum Haus. Der freie Platz wurde im nächsten Jahr wieder bepflanzt. An der Järker Grenze hatten wir noch eine große Wiese, den "Grund". Es war eine lehmiges Gelände. Ein steiniger Weg führte bergab durch einen Teil unseres Waldes. Wir grenzten dort mit den Järker Bauern und längsseits mit Nachbar Josef Welzel. Ein idyllisches, ruhiges Fleckchen Erde. Gutes Heu gab diese Wiese, nur konnten wir keine große Fuhre laden, da der Heimweg steil war. Mein Vater hatte mal 1000 Fichten dort unten gepflanzt, die 1946 schon 6 m hoch waren. Im Frühjahr 1937 hatten wir am oberen Teil wieder 1000 Fichten gesetzt und sollten noch weiter pflanzen. Als ich mit dem Pferdefuhrwerk mal von Lewin heim fuhr, kam mir der Landwirtschaftsrat Dr. Launer aus Glatz entgegen. Er war bei uns auf dem Hof gewesen. Er frug mich, was wir jetzt, nach der Frühjahrsbestellung so machen. Ich sagte ihm, daß wir den "Grund" verpflanzen wollen und beschrieb das Gelände kurz. "Hat es Wasser dort?" wollte er wissen. "Ja, ein nie versiegendes Bächlein fließt durch", sagte ich. Da riet mir Der. Launer, die 1000 Pflanzen wieder herauszureißen und Jungviehweide anzulegen. "Ich komme zu Ihnen mit einem Herrn aus Breslau, wir sehen uns das Gelände an!" Das versprach mir Dr. Launer. Es kam aber niemand. Mir hatte dieser Rat aber genügt. Wir rissen zwar die 1000 Fichten nicht wieder heraus, pflanzten aber auch nicht weiter. Im nahen Wald machten wir Stangen ab, schnitten sie zu Pfählen. Hillmann Ernst hackte sie an Ort und Stelle spitz, dann wurden sie angebrannt und eingeschlagen. Zum Vorschlagen der Löcher hatten wir einen Rammer mit Eisenspitzen. Dadurch war das Einschlagen der Pfähle leichter. Ich hatte mir einen Plan gemacht für vier Koppeln, die an einer Stelle zusammenführten. Sternweide! Aus jeder Koppel hatte das Vieh Zugang zur Tränke. Das Wasser lief in einen Steintrog. War eine Koppel leer gefressen, wurde das Tor der nächsten auf- und die abgefressene zugemacht. Wir hatten mit vier Stacheldrähten eingezäunt und das ganze Jungvieh im "Grund" bis zum ersten Frost. Ein Stück Fichtenkultur war mit eingezäunt und in jeder Koppel gab es einige Sträucher und Bäume. Dadurch hatte das Vieh Schutz bei großer Hitze. Das Jungvieh war dann zum Einstallen äußerst scheu und wild. Aber sauber war jedes Tier, als wenn es täglich gestriegelt worden wäre. Sonntags haben wir uns die Anlage und das Vieh gern angesehen. Später waren auch unsere Mädels dabei, wenn es in den "Grund" ging. Auch 1945 hatten wir das Jungvieh wieder dort. Etwa im Juli gab uns Nachbar Marwan Bescheid, daß Schwager Ernst Welzel telefoniert hätte, zwei fremde Männer jagen die Kalben in der Koppel, wir sollten sie rein holen. Das taten wir auch. Es war das letzte Mal, daß wir Vieh im "Grund" hatten! Ohne den "Grund" hatten wir ca. 25 Morgen = 6 ¼ ha zu Weide angelegt. Diese Koppeln waren nur für die Kühe. Sonntags kamen die Pferde drauf, um die Geilstellen abzufressen und sich mit den Fohlen auszutoben. Acht Koppeln waren es. Mittags und abends wurden die Kühe in den Stall geholt. Das konnte jedes Kind tun, denn die Koppeln waren nicht weit vom Hof.

In der Nähe des Hofes war die Hammerwiese, ein sumpfiges Gelände, ca. 1 ha groß. Dort entsprang der Dorfbach. Auf dieser Wiese wuchs nur saures Gras. 1928 reit uns ein Landwirtschaftslehrer aus Glatz, die Wiese trocken zu legen. Mein Vater meinte, das könnte es nicht bezahlen. Der Lehrer machte den Vorschlag, auch die Nachbarn dieser Wiese, August Schmitt I., August Kastner IV., Robert Fischer und Wilhelm Kürschatke für die Dränage zu gewinnen, dann könnte als Genossenschaft 50% Beihilfe gewährt werden. Keiner hatte aber Interesse daran. Durch die Schule Glatz wurde es aber möglich gemacht, daß wir für unsere Wiese allein die Beihilfe erhielten. Kulturingenieur Hoffmann - Glatz - machte das Nivellemont und die Zeichnung, die Schule bestellte die nötigen Rohre und ein Mann aus Sackisch, Mistereck, übernahm die Arbeit. Wir holten die Rohre vom Bahnhof Lewin. An der Stelle, wo der Dorfbach seine Quelle hatte, war es richtig morastig. Wir holten einige Fuhren Steine von den Steinrücken, die auf die, auf die Rohre gelegten Faschinen, lange Reisigbündel, in den Graben geschaufelt wurden. Es war einen schwierige Arbeit, denn der schwappige Boden fiel gleich wieder in den Graben. Als diese Wiese fertig war, lieh uns die Schule Glatz einen Wiesenpflug, mit dem ich einen Teil der Wiese umpflügte. An der Moraststelle sanken die Pferde tief ein. So hängte ich jedesmal die Wage vom Pflug ab, ging mit den Pferden um die nasse Stelle herum und mit Hilfe einer langen Kette zwischen Pflug und Pferden, habe ich auch den Morast umpflügen können. An einer Stelle, ca. 50 qm, blieb der Pflug immer an alten Baumwurzeln hängen, die ich mit einer Rodehacke, die ich am Pflug mitführte, herausgrub und aufstellte. Selbst die ältesten Leute im Dorf wußten nicht, daß auf der Wiese mal Sträucher oder Bäume gestanden hätten. Das beigefügte Foto machte ich mit meiner 6x 9 Kamera mit Selbstauslöser.

In diesen Acker säte ich im Frühjahr Wickengemenge, das eine reichliche Masse gab. Im Herbst haben wir 200 Zentner Düngekalk erhalten und gestreut. Die ganze Wiese war eben total versauert. Wir sollten die ganze Wiese umbrechen, das wollte aber mein Vater nicht. So dauerte es einige Jahre länger, bis sich gute Gräser fanden. Auf dem umgebrochenen Teil pflanzten wir im Frühjahr Kartoffeln und säten im dritten Jahr Weidegras an. Auch hier hatten wir, wie im "Grund", vier Koppeln als Sternweide. Vor dem Anlegen jedes Feldes zu Weide haben wir stark gekalkt und bei der Aussaat mit Thomasmehl und Kali gedüngt. Dies haben wir im Maschinenschuppen miteinander vermischt. Mit dieser Mischung düngten wir auch die Felder, wo Hackfrüchte hinkamen und wo Klee eingesät wurde. An Stickstoff hatten wir, als ich noch ein Junge war, nur Chile-Salpeter. Später wurde deutscher Stickstoffdünger angeboten und wir verwandten Grünkorn und Nitrophoska-Volldünger. Mit einer leichten Stickstoffgabe düngten wir auch nach jedem Abweiden die Koppeln. In fünf bis sechs Wochen konnten wir das Vieh wieder in die erste Koppel treiben. In einem großen Teil der Weiden machten wir zuerst Heu.

Im Winter machten wir aus dünnen Fichtenstangen einige Heureuter und haben, je nach Witterung, diese benützt. Hier will ich en originelles Erlebnis einfügen. Einige Herren hatten sich für einen bestimmten Tag uns angemeldet zur Besichtigung der Veränderungen, die durch Zuschüsse geschaffen worden sind. Hinter dem Hofe das erste Feld, das an die Hammerwiese grenzte, was als Weide eingezäunt. Dort hatten wir einen Heubock behangen.

Als mein Vater und ich dann mit den Herren dabei standen, sagte einer zu meinem Vater: "Herr Feist, wenn ich nächstes Jahr wiederkomme, will ich sehen, daß Sie zuschauen, wenn sich das Vieh sein Futter selber holt!" Das war auch im nächsten Jahr der Fall.

Viele Leute im Dorf nahmen es uns damals übel, daß wir die ebenen Felder zu Weide machten. Uns hat es sehr gut gefallen. Es war doch eine große Arbeitserleichterung, der Milchertrag stieg und dem Vieh tat es gut.

 

Einige Jahre später ließen wir die Wiese vom Hof runter, nach dem Dorf zu, aus eigenen Mitteln dränieren. Sie wurde auch danach eingezäunt. In der kleinen Scheune im Auszugshaus hatten wir den Sommer über die Kälber. Das Hintertor war offen, so konnten die Kälber sich in dem umzäunten Auslauf, der an der Straße bis an Marwans Grenze reichte, bewegen, wie sie wollten. Wir mußten die Kälber aber dort füttern.

Durch die Weidewirtschaft hatten wir auch leider wieder weniger Stallmist. Wir haben in den langen Wintermonaten, sechs Monate war ja das Vieh im Stall, mehr eingestreut. Oft haben wir im Winter mit dem Pferdeschlitten den Mist auf Haufen auf das betreffende Feld gefahren. Dadurch hatten auch die Pferde Bewegung. Oft lief ein Fohlen im Schnee mit und wälzte sich nach Herzenslust darin. Im Frühjahr wurde der Feldhaufen auseinander gefahren, eine Arbeit von einem Tag.

Zum Jauchefahren hatten wir lange Jahre im hölzernen Faß, das ca.,. 500 Liter faßte. Auch die Jauchepumpe war aus Holz, viereckig, mit Bügeln verschraubt. Beide, Faß und Pumpe, hatten den Nachteil, daß sie im Sommer oft undicht wurden. Ich kaufte 1937 eine fahrbare Kesselpumpe und ein Jauchefaß für 800 Liter. Aus dem Pferdestall, Ochsenstall und von den Schweinen machten wir jedes Jahr noch den hochwertigen Dielenmist raus. Diesen fuhren wir auf den Acker zu Rüben.