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Hochzeit am 28. Juli 1936

Unsere Trauung fand in der Johanneskapelle statt. Sie stand an der Straße Kuttel-Lewin. Jeder, der von Kuttel nach Lewin wollte, ging an dieser Kapelle vorbei. Sie hatte es meiner Braut angetan. Sie hatte sich oft gewünscht, darin getraut zu werden. Da die Pfarrkirche in Lewin im Inneren erneuert wurde und voll Gerüste stand, ging damit der Mädchenwunsch von Trudel in Erfüllung. Wir fuhren mit sechs oder acht Kutschwagen. Am Abend unseres Hochzeitstages gingen wir, wie alle Brautpaare in Tassau, zum Brauttanz zu Nachbar Marwan in den großen Saal, der war bei solchen Gelegenheiten immer voll. Die Tassauer Blaskapellen, fünf Mann, spielte zum Tanz auf. Wenn wir auch den größten Hof hatten, habe ich nie einen Unterschied gemacht in der Wahl der Tänzerinnen. So war es auch beim Hochzeitsball. Trudel tanzte mit unseren männlichen und ich mit den weiblichen Mitarbeitern.

Wir hatten viele Glückwunschschreiben erhalten. Ich ließ bei Goebel- Lewin Danksagungen drucken, die damals mit drei Pfennig frankiert wurden. Als wir damit fertig waren, hatten Trudel und ich keine einzige Mark Bargeld mehr. So haben wir, um nicht Vieh zu verkaufen, beim Sägewerk Blau in Gellenau 300,- MK Vorschuß geholt für Langholz, das wir im Winter machen wollten. Ein Sparguthaben hatten wir nicht. Etwa im Frühjahr 1937 wurde ich Mitglied bei der Spar- und Darlehenskasse Lewin. Da mußte ich Geschäftsanteile erwerben. Wir verkauften einen Jungbulle, dann konnten wir die Löhne, Versicherungen und auch die Geschäftsanteile bezahlen. Wie ich schon niederschrieb, wurde ab 1936 unsere Milch täglich abgeliefert nach Gellenau in die Entrahmstelle. Dort wurde auch der Fettgehalt festgestellt und danach die Milch bezahlt. Das Milchgeld wurde von der Molkerei in Glatz auf unser Konto bei der Sparkasse Lewin überwiesen.

Mein Vater hatte etwa 1928 auf sein unbelastetes Grundbuch 12.400 RM Kredit aufnehmen lassen. Für eine neues Kirchendach in Lewin wurden ca. 30 Tausend Mark gebraucht. Dafür ließen mein Vater, Trudels Vater und Bauer Ernst Hoffmann in Kreuzdorf ihre Grundbücher belasten. Die Formalitäten wurden seitens der Sparkasse mit dem Pfarramt erledigt.

Als meine Schwester Maria 1933 heiratete, nahm mein Vater die Verpflichtungen aus dem Kredit auf sich. er mußte dann auch die jährlichen Abtragungen und Zinsen zahlen. Diese Zahlungen gingen nach der Hofübernahme auf mich über. Die schon guten Erträge aus Ackerbau und Viehzucht reichten nicht aus. So haben wir ca. 10 Festmeter Langholz verkauft, für damals ca. 28 ,- MK je Festmeter. Inzwischen kam das erste Milchgeld auf unser Konto.

Etwa 1938 bauten wir den Göpelschuppen, Verlängerung der alten Scheune, aber mit zwei Meter hohem Trempel. Nur die Pfeiler waren aus Klinkerziegeln, dazwischen gesäumte Bretter. Wellblech als Bedachung mit Entlüftungstürmchen. In dem Göpelschuppen haben wir noch mit dem Göpel die Dreschmaschine angetrieben. Mein Vater war darüber besonders froh, nun konnte er bei jedem Schneesturm die Pferde treiben. Ab 20. Januar '39 haben wir mit Elektromotor gedroschen, den Kleereiber und die Häckselmaschine damit betrieben.

Die Klinkerziegel hatte ich beim Röttrig – Schmied in Sackisch bestellt. Er hatte ein Lastauto, das einzige in der ganzen Gegend. Schon lange bevor man den Wagen sah, hörte man im ganzen Dorf das Geratter des Motors. Am Bauplatz halfen wir dann abladen, er hatte keinen Kippwagen. Ich fragte den Fahrer nach der Rechnung: "Die kriegen Sie zugeschickt", sagte er. Ich sagte: "Das ist auch gut, Geld habe ich nicht"1 "Ja, wenn Sie bauen wollen, müssen sie doch Geld haben!" Wir hatten nur ca. 120,. Mk auf dem Milchkonto. Die Zeichnung von Architekt Hoffmann – Gellenau hatte ich wohl bezahlt Für den Bau selbst mußten wir an den Wald gehen. Die vielen Balken, Sparren, Nagelhölzer und Bretter hatten wir im Winter schon in Gellenau zurecht schneiden lassen, sie lagen am Bauplatz bereit.

Nachdem wir mit Motor dreschen konnten, haben wir den Göpel und das Vorgelege in der Scheune verkauft. Im Schuppen hatten wir dann die empfindlichen Maschinen untergebracht, auch die Viehwaage und das Winterholz. Oben war sehr viel Platz für das geerntete Getreide. Bisher hatten wir überall die Hafergarben untergebracht, im Auszugshause die kleine Scheune bis obenhin voll, auf dem Ochsenstall, sogar auf der Tenne in der alten Scheune. Hier lagerte oft der Samenklee. Diesen mußten wir zuerst wegdreschen, um Platz zu bekommen. Mit dem Stangenschlitten fuhren wir die Hafergarben vom Auszugshaus und Ochsenstall in die Scheune zum Dreschen. Einige Jahre zuvor, ehe das Elektrische nach Tassau kam, hatte ein klirren Landwirt, Josef Naschwitz, eine Dreschmaschine mit Schüttler und Sieb gekauft, die mit seinem Benzinmotor angetrieben wurde. Dieser Dreschsatz ging im ganzen Dorf rum. Mit Pferdeschlitten ließ sich alles gut aufladen und transportieren. Wir haben damit auch den Hafer im Auszugshaus an Ort und Stelle gedroschen. Dabei mußte gutes Wetter sein, denn die Maschine und der Motor mußten im Freien stehen. So hatten wir auch im Winter keine "Bauernferien". Onkel Oswald aus Dürrkreuzdorf, der Bruder meiner Mutter, hat meinem Vater schon in den Zwanziger Jahren geraten, einen Traktor zu kaufen. Es war damals nur auf den großen Gütern so ein Ding in Betrieb. Onkel Oswald sagte oft, daß ein Traktor auf unseren ebenen Feldern gut verwendbar wäre. Aber so eine Anschaffung hätte damals schon ein Vermögen gekostet, auch wenn wir nur einen Anhängerpflug und Egge dazu gekauft hätten. Bedenken hatten wir auch wegen unseren Bodenverhältnissen. Die Ackerkrumme war seicht, besonders bei den oberen Feldern. Als wir uns für Weidewirtschaft entschlossen hatten, wurde an einen Traktor nicht mehr gedacht. Hätten wir die Heimat behalten dürfen, wäre aber ganz sicher unser Betrieb mechanisiert worden. Traktor mit Mähbalken, Heupresse, Ballenförderband, Miststreuer wären bei der Weidewirtschaft sehr rentabel gewesen.