Familie
Am 3. Juli 1937 wurde unser erstes Kind, Ursula, geboren. Am 6. November 1938 kam Maria zur Welt. Trudel und ich waren an diesem Sonntag miteinander nach Lewin zur Kirche gefahren. Nach dem Hochamt bekam Trudel Geburtswehen. Ich bestellte den Haufen-Hammes mit seinem Mietsauto und die Hebamme Stürz. Damit fuhr Trudel sofort heim nach Tassau. Als ich mit dem Pferdefuhrwerk daheim ankam, war alles glücklich vorüber. Wenn Trudel im Wochenbett lag, half die Oma aus Kuttel immer bei uns aus. Am Abend dieses Tages kam Oma noch spät zu uns. Unser langjähriger, getreuer Futtermann, Josef Herzig, wollte ihr die Haustür öffnen, dabei rutsche er auf den Fliesen im Hausflur aus und konnte nicht mehr gehen. Wir beförderten ihn in sein Bett und fuhren am anderen Morgen mit ihm zum Arzt nach Lewin. Dieser wies ihn ins dortige Schwesternhaus am Ring ein. Herzig hatte einen Oberschenkelbruch und konnte nie mehr gehen. Wenn ich nach Lewin kam, habe ich ihn immer besucht. Herzig hat einige Monate dort gelegen. Als ich sonntags wieder hinkam, war er gestorben. Ich bestellte gleich die Beerdigung und nachmittags in Tassau die Träger. Es mußten ledige Männer sein, denn Herzig war Junggeselle. Von ihm habe ich ein langes Abendgebet gelernt, das ich heute noch immer bete: "Die Sonne weicht, es kommt die Nacht..." betete Herzig jeden Abend laut und deutlich!
Am 18. April 1940 erwarteten wir den ersehnten Jungen. Noch heute höre ich die Hebamme Stürz bei der Geburt von Helene laut rufen: "Wieder ein Frauvolk!" Aber die Hauptsache war für uns, daß Mutter und Kind gesund waren. Nach ca. 14 Tagen merkten wir, daß mit dem Kind irgend etwas nicht in Ordnung war. Nach zweimaligem Besuch des Hausarztes riet uns dieser, mit der Kleinen in die Uni-Kinderklinik nach Breslau zu fahren. Etwa drei Wochen war Trudel mit dem Kind in Breslau. Die Kleine mußte mit getrockneter Buttermilch ernährt werden. So hat Trudel mit viel Mühe das Kind weitergebracht. Daneben stillte sie noch, wie sie es bei allen Kindern tat. Zum Glück waren wir in einer Krankenkasse privat versichert. Lenchen, wie wir Helene nannten, hat sich dann gut entwickelt und kam auch in der Schule gut mit.
Am 9. Juni 1942 wurde unser erster Sohn geboren. Wir ließen ihn Heinrich Franz taufen. Er sollte später der Hofbesitzer werden. Körperlich gesund, merkten wir bald, daß er nicht zählen lernte. Wir gaben uns große Mühe mit ihm, daß er Zahlen und Buchstaben unterscheiden konnte. Als Heinrich acht Jahre alt war, fuhr Trudel mit ihm zu einem Nervenarzt nach Koblenz (Wir waren damals auf einem Pachthof in Forst, Kreis Cochem, Mosel). Als dieser Arzt hörte, was wir alle nach dem Ende des Krieges auf unserem heimatlichen Hofe erleben mußte, jede Nacht und jeden Tag Schießereien und Tumulte durch Russen, Tschechen und später Polen, sagte der Arzt u.a.: "Ich habe schon zwei Kinder von Vertriebenen in Behandlung, die genauso sind wie Ihr Junge, er hat einen Hirnschaden erlitten, da ist leider nichts zu machen!"
Unser zweiter Sohn, Gotthard, wurde am 30 April 1944 geboren. Mit ihm ging Heinrich dann 1950 zur Schule in Forst. 1953 gingen beide zur heiligen Erstkommunion. Da Heinrich dem Beicht- und Kommunionsunterricht nicht folgen konnte, frug ich den damaligen Kaplan Weber, was wir machen sollen. Er sagte: "Wir nehmen mit Gotthard mit!
Mit unseren fünf Kindern und Christa Welzel, eine Nichte von Trudel, mußten wir am 13. Oktober 1946 unseren Hof und damit die Heimat verlassen. Näheres darüber später.