Nachwort
Hier enden die Aufzeichnungen von Heinrich Feist, meinem Großvater. Warum er seine Erinnerungen nicht zu Ende geführt hat, werden wir nicht mehr erfahren. Soweit mir bekannt ist, hatte er die letzten Seiten Ende 1984 verfaßt. Zeit wäre ihm noch genug geblieben. Gestorben ist er im Alter von 88 Jahren, am 22.07.1994, nachdem er sich bei sich bei einem Treppensturz schwere Prellungen zugezogen hatte und ins Krankenhaus in Mayen eingeliefert wurde. Er war zu diesem Zeitpunkt bereits in schlechter körperlicher Verfassung und hatte seinen Lebenswillen verloren. Nichts desto trotz machte er bis zum Ende seine Scherze mit den Krankenschwestern. Todesursache war eine Magenblutung infolge eines Magengeschwürs. Er wurde an einem sehr heißen Sommertag beerdigt. Als die Trauerfeier in der Donaulaube zu Ende war, haben wir, die Kinder und Enkel, noch bis spät in die sternklare Nacht auf der "viel fotografierten" Treppe gesessen. Es wurde trotz des traurigen Anlasses ein sehr schöner Abend, an dem wir viel über Opa geredet haben.
Ich möchte versuchen, in aller Kürze die wichtigsten, nachfolgenden Ereignisse festzuhalten:
Nach insgesamt 16 Jahren lief der Pachtvertrag auf dem Hof in Forst 1964 ab. 'Opa' und 'Oma' entschieden sich dafür, den Vertrag nicht weiter zu verlängern. Sie kauften statt dessen ein Haus in der Bachstraße Nr. 17 in Mendig und zogen mit den Söhnen Heini, Gotthard, Alois und Herbert sowie Tochter Helene dort ein. Opa arbeitete nach dem Umzug zunächst als Pförtner in einer Fabrik in Andernach. Später, nach seiner Pensionierung, half er noch einige Jahre in einem Supermarkt in Mendig aus.
Ursula war bereits seit 1955 verheiratet und wohnte mit ihrem Mann Fritz Wagener in Kaisersesch, nur wenige Kilometer von Forst entfernt. Sie bekamen vier Kinder: Joachim (08.01.1963), Charlotte (26.05.1965), Alexandra (18.02.1971) und Harald (27.10.1973).
Maria arbeitete zu jener Zeit als Sekretärin bei einem Arzt in Mainz und wohnte folglich nicht mehr auf dem elterlichen Hof. Sie heiratete 1968 Barry Hancock, mit dem sie seither in seinem Heimatland England lebt. Ihre beiden Kinder Sabine (10.02.1968) und Caroline (23.03.1971) sind dort aufgewachsen. Caroline brachte am 04.12.1997 den ersten Urenkel Charly zur Welt. Opa hätte sicher viel Spaß mit ihm gehabt.
Helene feierte 1967 Hochzeit. Mit ihrem Mann hatte sie zwei Kinder: Babsi (26.04.1968) und Lothar (27.12.1970). Sie wuchsen als einzige Enkel in Mendig auf. Später trennte sie sich von ihrem Mann, Fritz Frett.
Als erster und als (bisher?) einziger Sohn trat Gotthard 1985 in den Stand der Ehe. Mit seiner Frau Daniela und seinen Kindern Tanja (23.04.1986) und Martin (11.04.1988) lebt er heute in in Nickenich, nahe Mendig.
Heini, Alois und Herbert wohnen noch heute in der Bachstraße Nr. 17. Heini war aufgrund seiner Behinderung nie berufstätig gewesen. Er begleitete seiner Mutter jedoch über lange Jahre hinweg auf ihren Urlaubsreisen, die meist nach Österreich führten. Jedes Jahr durfte eines von uns Enkelkindern mitfahren.
Fritz Wagener, mein Vater, starb am 15.09.1995, nach kurzer Krankheit und für uns alle viel zu früh, an einem septischen Schock infolge einer Blutvergiftung. Wodurch diese Blutvergiftung entstand ist bis heute unklar.
Oma wird im August diesen Jahres 89 Jahre alt. Damit hat sie alle ihre neun Geschwister überlebt. Sie ist noch immer der Mittelpunkt unserer Familie, um den wir uns alle immer wieder versammeln. Und manchmal ist sie auch heute noch spröde und unnahbar, ganz wie Opa sie schon vor seiner Hochzeit beschrieben hat. Sie ist vielleicht schon etwas vergeßlich geworden, aber im Halma immer noch unschlagbar.
Ein Bild von Opa, das sich mir eingeprägt hat, ist, wie er am Wohnzimmertisch oder im Sommer in der Laube saß, die Brille auf den Kopf geschoben hatte und in einem seiner zahlreichen Tagebücher seine täglichen Eintragungen machte. Da er kurzsichtig war, brauchte er selbst im hohen Alter zum Lesen keine Brille, eine Tatsache, die ihm sein Arzt schon vor langer Zeit vorhergesagt hatte. Fast bis zuletzt hat er seine Tagebücher geführt, wenn auch am Ende oft lückenhaft. Seine letzte Aufzeichnung stammt vom 02.04.1994, dem Tag von Barry und Marias Silberner Hochzeit, die wir in Mendig gefeiert haben:
"Heute Nachmittag große Silberhochzeitsfeier in der "Donau". Es war sehr gemütlich. Ich ging gegen ½ 6 heim und gleich ins Bett, brauche Ruhe! Beendigung der Feier gegen 23 Uhr." Es ist nicht ganz richtig, daß Opa direkt ins Bett ging. Nein, zuerst ging er baden, schließlich war es Samstag und Samstag ist Badetag. Davon konnte ihn auch eine Silberne Hochzeit nicht abhalten...
In der Einleitung hat Opa geschrieben:
Leider konnte er das Werk nicht zu Ende führen. Aber was er niedergeschrieben hat, ist ein bewegende Reise in die Vergangenheit und gibt uns einen tiefen Einblick in sein Leben, seinen Glauben und seine Überzeugungen. Und es wird ganz bestimmt immer ein lesenswertes Buch für uns Nachkommen bleiben.
Köln im Juli 1998,
niedergeschrieben von Alexandra Wagener