Vertreibung aus der Heimat Teil 2
Oma erhielt heute von ihrem Neffen Josef Kastner ein 20 Pfund schweres Paket aus Amerika. Mehl, Zucker, eine Büchse Fett, Bohnenkaffee und 40 Zigaretten. Die Freude war bei uns allen sehr groß. An der Gartenscheune, die etwas auswärts lag, luden wir losen Weizen ab, den Erntewagen außen, quer vor dem Tor. So kam es, daß da, wo die Getreidebüschel hinfielen, ein Haufen Weizenkörner lagen. Als der letzte Wagen weg war, holte ich meinen kleinen Rucksack, machte ihn voll Weizen. Das sah der Chef! Er stellte mich zur Rede. Ich sagte ihm, daß wir alle Hunger haben, neun Personen daheim, hier geht es sowieso kaputt. Da ließ er mich in Ruhe. An dieser Scheune war ein großer Gemüse- und Obstgarten. Jeden Abend ging ich nach Feierabend mit meinem Essgeschirr dorthin, pflückte allerhand Beeren und Sauerkirschen. Einmal, ich lag unter den dichten Johannisbeersträuchern, kam ein Ehepaar mit einem kleine Hund. Dieser kam an mich heran, beschnupperte mich und ging still wieder weg. Einige Zeit blieb ich ruhig liegen, bis die Leute weg gingen.
In dieser Zeit gingen Trudel und die Mädchen fast jeden Tag Ährenlesen. Auf einem großen Getreidestoppel waren ich und noch ein zweiter Mann mit dem Pferderechen tätig. Erst dann durften die Leute aufs Stoppelfeld. Oft waren es mehr als Hundert. Da war für jeden nicht mehr viel zu fangen. Mit Ursel und Maria ging ich an die Waldränder, dort schnitten wir mit je einer Schere die noch stehenden Ähren ab, nur ganz kurze Dinger.
Die Landwirte hatten im Sommer 1947 ihre liebe Not mit dem Grünfutter. Durch die regenarmen Monate war überall wenig gewachsen. Wenn wir mit zwei großen Kastenwagen Futter holen sollten, kamen wir mit einer kläglichen Ladung auf Stadtgut. Es reichte nicht für das halbe Vieh, das auch durch die Russen sehr wenig geworden war. Anfang August ging es schon an die Rüben und ans Heu!
Am 7. August erhielt ich vom Arbeitsamt erneut die Einweisung ins "Harzer Werk", morgen Antritt, sonst Strafe! Ich sagte Herrn Sentner und dem Harzer Betriebsrat bald Bescheid. Sie können nichts daran ändern. So melde ich mich am nächsten Morgen bei der "Eisenhütte Bergbau Lothringen". Dort waren noch ca. 20 jüngere und ältere Männer. Nach einigem Hin- und Herschicken zu den einzelnen Büros, soll ich morgen antreten. Ich habe einige Schwarten und Leisten zusammen gebettelt und mache einen Kasten an Albertis Handwagen. Habe von einem Nachbar eine Säge geliehen zum Bretter schneiden.
Am 9.8. fing ich in der Eisenhütte an. Räumarbeiten. Ab nächsten Tag mit drei Kollegen mit der Lore Gießereiabfälle auf die Halde fahren. Das war eine ziemlich ruhige Arbeit. Zwei Parteien je vier Mann fuhren mit Kipploren Gießereiabfälle oben auf die Halde. Auf halben Weg waren Ausweichgleise. Einer wartete auf den anderen, daß er diese Stelle zuerst befährt. Auf der anderen Seite des Schuttberges war eine große Obstplantage. Dort wollte ich mit Äpfel holen. Meine Kollegen rieten mir ab, ein Schäferhund läuft dort herum! Trotzdem wagte ich mal den Abstieg. Zum Glück war der Wachhund nicht da und ich brachte über 60 Äpfel hoch! Jedem Kollegen gab ich acht Stück ab. Die Mädels brachten jeden Tag das Essen zum Betrieb.
Am 17.8. mußte ich mit meinen Kollegen im Betrieb sein, falls ein Waggon Braunkohle kommt, diese abladen. Es war ein ruhiger Tag, Kohle kam nicht. Dafür konnte jeder einen beliebigen Werktag frei haben. Ich gab Mittwoch, 20.8., an. An diesem Tage ging ich wieder von meiner Familie weg. Trudel hatte meinen Rucksack zurecht gepackt und ging mit zum Bahnhof Westend. Albert Prause und Hans Bittner, früher Jauernig, gingen mit. Wieder über eine Stunde Fußmarsch über die Wälder am Brocken. Wir waren froh, wieder die Zonengrenze hinter uns zu haben. Albert und ich fahren mit Bus nach Bad Harzburg, um Familie Marwan in Gielde zu besuchen. Ein Junge, den ich fragte, sagt, ich soll die Treppe rauf, die erste Tür links gehen. Ich sehe zur halboffenen Tür rein. Waldemar sitzt am Tisch und mach Schnittbohnen sauber. Als er mich sieht, sagt er : "Ja, der Heine!" Große Freude auf beiden Seiten. Sie haben nur eine ganz kleine Kammer. Wir plaudern bis 1 Uhr nachts. Ich schlafe bei Waldemar im Bett, Albert auf einem Strohsack auf der Erde. Waldemar hat ein Furunkel im Genick und feiert krank. Er zeigt uns seinen Gemüsegarten, geht dann mit uns ins Nachbardorf zum Bauern Schacht, wo Manfred mal arbeitete. Schacht würde den Albert sofort einstellen , wenn er den Registrierschein für die britische Zone hat.. Leider wurde die Zuzugsgenehmigung in Uelzen nicht erteilt. Für Grubenarbeiter ja, aber nicht in die Landwirtschaft. Für mich käme eine Arbeit als Übertagearbeiter in Frage. Es wäre ernährungsmäßig sehr gut und auch Wohnung würde gestellt. Ich will nach Lüdinghausen fahren, wo Schwager Richard in de Bauernschaft Brochtrup bei Bauer Franz Frintrup mit seinen beiden Jungen Franz und Rudi wohnen. Richards Frau ist mit Tochter Ursula bei einem anderen Bauern.
Am 23.8. war ich nach sehr beschwerlicher Reise endlich mal wieder richtig untergebracht, reichlich essen, konnte meine Schuhe endlich mal ausziehen und in einem Bett schlafen! Die Reise von Uelzen bis Lüdinghausen hat mir sehr zugesetzt. Bei Bahnhofsmissionen erhielt ich öfters mal eine Suppe für 40 Pfennig. Schlafgelegenheit gab es nicht. Ich schlief beim Tisch oder auf einer Bank, meinen Rucksack als Kissen. Kam endlich ein Zug an, stieg kaum jemand aus, aber 50-80 Menschen wollten rein in den Zug. So blieben die meisten zurück, warten auf den nächsten Zug. Öfters schreibe ich in greller Sonne in meinem Heft meine täglichen Erlebnisse weiter.
Am Sonntag, 24.8., an Trudels 47. Geburtstag, fahre ich mit Schwager Richard nach Lüdinghausen ins Hochamt und heilige Kommunion. Wir sitzen nachmittags im Garten bei Frintrup. Packe dann meinen Rucksack zurecht, will morgen wegen Arbeit los. Frintrups wollten mich noch einen Tag da behalten.
Am 25.8. telefoniere ich mit der Kreisbauernschaft und Bürgermeisteramt Lüdinghausen. Drei Bauern werden genannt: Dr. Wischler-Berg, Theodor Holtenbring, Borg und Walter Piepenbring, Nordhausen. Sie beiden letzen raten mir Frintrups ab. Fahre nachmittags mit einem Bauern nach Borg-Netteberge zum Bahnhof Lünen. Dort unterhielt ich mich mit einem Diplom-Landwirt aus Dortmund. Er will die Sache mit dem Bauern Schulze-Wischeber besprechen. Fahre wieder nach Lüdinghausen zu Frintrups. Um 10 Uhr bin ich dort. Bete alle drei Rosenkränze auf dem weiten Weg.
26.8.1947. Hole mit Frintrup die Kühe von der Weide (sie werden im Stall gemolken), fahre dann mit Frintrup zur Stadt. Eine Frau hat mir eine Stelle angeraten, Richtung Berenbrok, am Franziskanerkloster vorbei. Sie Bäuerin hat schon einen anderen eingestellt. Ich tüpple weiter. Ein junger Mann ist mit dem Pferdepflug auf dem Feld. Den frage ich nach einer Stelle bei einem Bauern. Das erste, was er sagte, war: "Verflucht! Wenn ich wüßte wohin, gleich könntest Du mein Gespann haben. Aber dort drüben, wo das rote Ziegeldach zu sehen ist, der hat gestern seinen Kutscher fort gejagt, der stellt Dich sicher ein - hinter der Hecke steht ja der Bauer." Ich ging zu ihm hin, erzählte ihm kurz. Er nimmt mich mit zu seinem Hof und stellt mich seiner Frau vor. Der Bauer heißt Philipp Overhaus. Er fragt, wann ich antreten kann. Da ich meine Papiere noch in Ordnung bringen muß, sage ich ihm. "Am Donnerstag, also übermorgen." Wieder der sehr weite Weg zurück zu Frintrups. Bete wieder zwei Rosenkränze. Spät, es war schon 10 Uhr, war ich endlich da. Erhalte noch Abendessen und plaudere mit Richard. Marichen mit Ursel bringen mir noch das gewaschene Hemd und die Taschentücher.
Am 27.8.1947 verabschiede ich mich von den sehr netten Bauersleuten Frintrup und von Schwager Richard und seinen Jungen Franz und Rudi. In meinem Rucksack habe ich eine Menge Fallobst. Ich konnte es einfach nicht liegen sehen. In Blankenburg durfte man sich nicht einmal einen unreifen Fallapfel aufnehmen!
In Lüdinghausen zuerst zum Gesundheitsamt. Man fragt mich, ob ich gegen Typhus geimpft sei. Ja, im August 46 bei den Polen daheim. Erhalte Bescheinigung darüber. Dann zum Wohnungsamt und Meldestelle. Bekomme die Registrierkarte und die polizeiliche Anmeldung! Über meine Person konnte ich mich ja ausweisen, hatte von daheim den Grenzausweis mir Foto. Über meine zurückgelassenen Werte muß ich einen Fragebogen beantworten, das an Hand der Hofkarte nicht schwer war. Ich erhielt Abschrift. Land- und Forstbesitz 16.000 MK (Einheitswert), Hausbesitz 29.000 MK, Maschinen und Vieh 40.000 MK, Hauseinrichtung 9.000 MK, Sparguthaben 1.000 MK, Schulden 3.000 MK.
Dann hole ich mir die Lebensmittelkarten. Bettle in einer Fleischerei, wo heute Hochzeit ist, erhalte drei Paar belegte Brote. Gehe zum Bahnhof, bete dabei einen Rosenkranz und schreibe an Trudel in Blankenburg und ins Tagebuch. Vom Bahnhof Ontrup verlaufe ich mich, kam erst ½ 9 bei Overhausen an. Erhalte gleich Abendessen. Die Frau und die Mädels machen meine Bude zurecht. Ein geräumiges Zimmer, alles drin - Wasserleitung mit Becken, Kommode mit Spiegel, Kleiderschrank und ein breites Bett. Ich verstaue gleich meine Klamotten. Die Stube liegt gleich von der Küche rauf.
Am 28. August fange ich an zu arbeiten. 5 Uhr aufstehen, Pferde füttern und putzen. Jedes Pferd hat eine Box für sich, wo es frei herum läuft. Es sind Tiefställe. Gemistet wird nur zweimal im Jahr. Um 7 Uhr geht's aufs Feld. Unter Anleitung vom Chef gebe ich mir Mühe, mit den komischen Ackergeräten zurecht zu kommen. Die Pferde haben nur Blattgeschirre, keine Kumte, wie daheim oder wie auf dem Stadtgut in Blankenburg. Auch die Ackerwagen sind anders, sehr lang, die Deichsel liegt auf der Erde. Sie wird mit einem Halsriehmen am Pferd befestigt. Sonntags muß ich ein Pferd an die kleine Droschke spannen, der Chef fährt mit der Frau zum Gottesdienst nach Lüdinghausen. Ich leihe mir immer ein Fahrrad. Zu Fuß geht aus den Bauernschaften niemand, ein weiter Weg!
Anfang September 1947 erhielt ich von Trudel einen Brief aus Blankenburg. Sie hätte allerhand Unannehmlichkeiten gehabt bei den Behörden durch meine Abreise. Vom Arbeitsamt wurde ihr gesagt, ich hätte mich abmelden sollen und beim Betrieb (Harzer Werk) kündigen sollen. Trudel hatte den Beamten gesagt: "Das hätte sowieso nichts genützt!" Da war der Mann ruhig. Ein Wachtmeister wollte meine Lebensmittelmarken haben. Damit hatte ich mich in Blankenburg aber abgemeldet. Das war gut so.
Neben den Feldarbeiten mußte ich öfters den jungen Hengst traben lernen, laufen wie ein Schuljunge. Der Chef, Herr Overhaus, gibt mir Äpfel, die er mit in Heu verpacken hilft. Ich will sie bis Braunlage schicken, dort soll Trudel sie abholen und Arbeitskleidung reinpacken für mich. Ich war und natürlich sehr erfreut, als Trudel am 19. September 1947 bei mir in Berenbrok mit Wäsche und Arbeitskleidung ankam. Sie besuchte ihren Bruder Hubert, der mit seiner Familie in Münster wohnte. Am nächsten Tag fuhr Trudel zum Wohnungsamt in Lüdinghausen und zur Kreisbauernschaft. sie erkundigte sich wegen einer Möglichkeit, irgendwo eine Stelle für mich zu finden, wo auch die Familie wohnen könnte. Da wie dort keine Hoffnung. Abends macht Trudel noch mein Zimmer sauber und pflückt Äpfel.
Sonntag, 21.9., fuhren wir beide in die Messe nach Lüdinghausen. wir trafen dort Hubert, Richard und Marichen Welzel und Tautz Rudi mit Frau aus Nerbotin. Mit Richard und Marichen fuhren wir nach Brochtrup, wo beide bei Bauern arbeiten. Durchnäßt kamen wir abends bei Overhaus an.
22.9.: Trudel fährt heute ab, sie will ihren Bruder Josef in Neuheerse noch besuchen. Bei Overhaus stehen zwei massive, laubenähnliche Bauten, etwas weg vom Wohnhaus. Darin sind nur alte Koppelpfähle und Drähte. Ich frug den Chef, ob er mir eines zur Verfügung stellt. Ich würde es für die Familie auf meine Kosten ausbauen lassen. Darauf gibt mir der Chef zur Antwort: "Wenn es Wohnung wird, kann ich es als Hühnerstall nie mehr gebrauchen!" Ein Heimatvertriebener hatte einen solchen Bau ausgebaut und wohnte ganz angenehm mit seiner Familie darin. Endlich, am 4. Oktober, erhielt ich Post von Trudel, daß sie gut in Blankenburg angekommen ist. Frau Overhaus schnitt den Brief auf. Ich gab ihr das Brieflein, das Maria beigelegt hatte , zum Lesen. Mama gab jedem einen Apfel und jedes Kind bekam eine Schnitte Brot mehr! "Dürfen wir zu Dir kommen?", schreibt Maria zum Schluß. Ich mußte weinen und ging aus der Küche. Wenn ich an meine Familie denke, die so hungern müssen, nehme ich mir wieder fest vor, mich noch mehr zu bemühen, endlich meine Familie so satt zu bekommen, wie ich es jeden Tag bin.
Auf ein Zeitungsinserat schrieb ich eine Bewerbung. "Verwalter auf 80 ha gesucht!" Lege ein Familienfoto von uns bei. Mein Kollege Göbel leiht mir Tinte und Feder. Frl. Hilde gab mir ein Kuvert. Dann wartete ich jeden Tag auf Bescheid.
Am 21.10. erhielt ich von Trudel aus Blankenburg ein großes Paket mit allerhand Wintersachen, auch Schnürsenkel, Kuverts und Schreibfedern. Unverhofft kam Trudel an Allerheiligen in Berenbrock an. Sie brachte mit noch einige Sachen. Nach drei Tagen fuhr Trudel wieder zurück nach Blankenburg, im Auto von Onkel Franz (Bruder vom Chef).
Am 14.11. erhielt ich einen Brief von Trudel, daß sie gut angekommen ist, aber leider ohne die 12 Pfund Mehl von Overhaus. Das Mehl hat ihr die deutsche Polizei in Walkenried abgenommen!
In diesen Herbsttagen schickte ich öfters Päckchen mit Weizenschrot an Trudel. Obenauf lege ich jedesmal einige Scheiben Speck, die ich beim Mittagessen zurücklegte. Mehr als ein Kilo durfte das Säckchen nicht wiegen. Als Paket wurde es über Berlin befördert. Das war mit zu unsicher. Die Päckchen kamen alle in Blankenburg an!
Mein Mitarbeiter Göbel sagte mit mal beim Mittagessen, als ich die Speckscheiben zurücklegte: "Wenn Du den Speck nicht ißt, wirst Du es hier nicht lange aushalten, denn Du siehst ja selbst, hier wird schwer gearbeitet!"
Anfang Dezember beantrage ich den Interzonenpass. Ich will Weihnachten bei meiner Familie sein. Man erhält vor der Abreise Interzonen-Reisemarken, die in der Zone in dort gültige Lebensmittelmarken eingetauscht werden. Für vier Wochen erhielt ich Kartoffelmarken und für je 10.800 Gramm Brot und 200 Gramm Butter. In den Tagen vor meiner geplanten Reise zu meiner Familie mußte ich noch schwer arbeiten. Rübenmieten zuschaufeln, viel Mistarbeiten. Ich hatte Schmerzen in den Fingern, auch der rechte Arm tat sehr weh. Abends mach ich meine Schuhe und Stiefel sauber, räume mein Zimmer auf. Rasiere mich mit Seifenflocken! Im Bett ist es jeden Abend kalt, ehe ich warm werde vergeht eine Stunde.
Da am Sonntag die Züge wie an Werktagen fahren, will ich morgen, 21.12., reisen. Nach dem Hochamt in Lüdinghausen fuhr ich zum dortigen Bahnhof, kaufte die Fahrkarte nach Walkenried, 379 km für 30,40 RM. Sage Herrn Overhaus, daß ich heute Abend fahren will. Er möchte gern, daß ich morgen noch den Mist umpflüge! Frau Overhaus sagt, es ist besser, bei den heutigen Verkehrsverhältnissen, man hat einen Tag Spielraum. Göberl fährt mich mit Dokard zum Bahnhof. Frau Overhaus hat viele Lebensmittel eingepackt. Ein schwerer Rucksack und ein großer Karton, einige Büchsen mit Wurst und Schmalz, zwei Brote und Äpfel. Auch einen geschlachteten Stallhasen, damit ich für meinen Urlaub zu essen habe. Mit dem schweren Gepäck kam ich mit der Bahn von Ontrup gut in Dortmund an. Ab 8 Uhr sitze ich im Wartesaal. Der Zug nach Hannover soll ¾ 11 (22.45) Uhr abgehen, kommt aber eine ¼ Stunde zu spät. Er ist total überfüllt! Ich bettle an verschieden Türen, stehe auch manchmal schon in der Tür, es ist aber nicht möglich, hinein zu kommen. Ein Reisender entdeckt, daß der Paketwagen fast leer ist. Der Beamte erlaubt uns, immerhin etwa 50 Personen, bis Hamm mit zu fahren. Dort wird ein anderer Zug eingesetzt nach Hannover. Auch der ist überfüllt.
Schon habe ich den schweren Karton und den Rucksack außerhalb zwischen zwei Waggons untergebracht. Ich sitze auf einem Eisenstufen, die Füße gegenüber auf einem Stufen. Doch ehe der Zug abfährt, denke ich an meine Familie. Wenn ich auf der langen Fahrt verunglücke oder mir fällt das Paket runter, mit dem ich doch so große Freude für die meinen bringen will, steige ich wieder ab. Am Ende des Zuges finde ich zwei fast leere Abteile. Als ich einsteigen will, weist mich ein Beamter zurück, sagt es sind Dienstabteile. Ich gebe ihm ein Butterbrot, da sagt er nur: "Die letzte Tür! Ich bekomme einen Sitzplatz bis Hannover. Konnte auch mal schlafen und es war warm im Abteil. In Hannover gleich Anschluß nach Northeim und von dort nach Walkenried. Eine richtige Prozession, die meisten schwer bepackt, strömt der in der Russenzone gelegenen Stadt Illrich zu. Mein Karton ist aufgeweicht. Eine Fleischbüchse und eine Kerze gucken schon durch den Boden. So drehe ich den Karton um! Nach einer Stunde mühsamer Wanderung bin ich endlich am Bahnhof Illrich. Lasse mir meinen Interzonenpass abstempeln. Mein Wunsch, heute, 22.12., noch bei meiner lieben Familie zu sein, geht nicht in Erfüllung. Löse eine Fahrkarte nach Niedersachswerfen, zwei Stationen von Illrich. Von dort geht die Harz-Querbahn. In der Bahnhofswirtschaft sitzen etwa 20 Leute. Die Polizei nahm ihnen die britischen Registrierkarten ab. Die Zonengänger aus dem Westen sollen morgen wieder zurück. Mich ließ man unbehelligt sitzen. Bei Bier und Korn schreibe ich ins Tagebuch. Wer 1,50 RM bezahlt, darf im Raum bleiben über Nacht. Mir tun die Füße weh, ziehe die Schuhe aus und versuch, auf dem Stuhl zu schlafen. Es wird mir aber gleich kalt.
Es ist der 23.12.1947. Früh um ½ 6 esse ich von meinen Broten bei einer Tasse Kaffee und gehe zum Bahnhof. ½ 8 fahre ich bis Wernigerode. Es regnet weiter. Mit dem schweren Gepäck gehe ich bis zum Nikolausplatz, wo die Autobusse stehen. Nach Blankenburg fährt erst am späten Nachmittag einer und dann ist es sehr fraglich, ob man auch mitkommt. An der Ausfallstraße nach Blankenburg stelle ich mich an, will ein Auto anhalten. Etwa 20 Menschen stehen dort und hoffen wie ich. Ich verliere fast die Geduld, kein trockenes Plätzchen, wo ich den Karton hinstellen kann. Ich überlege, ob ich nach Halberstadt und von dort nach Blankenburg fahren soll. Gleich hielt ein kleines Auto bei mir an. Der Mann fuhr nach Blankenburg, nahm mich mit! In einer halben Stunde war ich zu Hause.
Diese Gefühle, die innere Freude, habe ich noch nie gekannt, die ich hatte, als ich an der Haustür stand. Ich schellte viermal, stellte mich zur Seite. Gleich kam Ursel, machte auf und rief laut: "Papa, Papa, bleib ock do!" Oben höre ich den Heine und den Gotthard laut rufen: "Der Papa, der Papa!" Auf der Treppe hängen sich beide an meine Hals. Freudestrahlend kamen auch bald Maria und Lenchen. In der Wohnstube begrüß ich dann die Oma, Trudel ist einkaufen. Die Kinder sitzen um mich, in Erwartung, was ich auspacke. Sie können zu Mittag sich mal richtig satt essen. Trudel kam eine Stunde später vom einkaufen. Inzwischen habe ich auch Albertis begrüßt.
Am Heiligen Abend machte ich den Christbaum zurecht. Bei der Einbescherung ist das Ehepaar Alberti und Frl. Mühlmann. die Hausbesitzerin, da. Große Freude bei allen. Frl. Mühlmann hat für unsere Kinder ihren eisernen Rodelschlitten bereitgestellt. Wir waren alle froh und glücklich, daß wir alle gesund beieinander sein durften. Ich muß oft an meinen lieben Vater denken. Sicher wird er bei Maria und ihrer Familie im Böhmischen auch gut Weihnachten erleben.
Nach den Feiertagen, in denen wir so oft spazieren gingen und allerhand Heimspiele machten, hatte ich große Mühe, meine Reisemarken umgetauscht zu erhalten. Bei den Blankenburger Behörden verwies man mich nach Wernigerode oder Quidlinburg. So fuhr ich mir Postbus nach Wernigerode. Dort schickte man mich nach Quidlinburg. Ich will aber die paar Stunden mit meiner Familie zusammensein, nicht herumreisen.
Am 4. Januar 1948 ließ ich bei der russischen Kommandantur meinen Interzonenpaß für die Ausreise registrieren. Wir waren an diesem Sonntag nochmal alle zum Gottesdienst und zur Hl. Kommunion. Mit Ursel ging ich zu Frau Betten-Köhler. Lölbecker Straße. Diese tauscht mir für 8200 Gramm Reisemarken um. Mit diesen kann man auch in der Zone Brot bekommen. Die Kinder sind sehr froh darüber und wir Eltern natürlich auch. An diesem Nachmittag ging ich mit allen fünf Kindern zur Kaninchenschau ins "Deutsche Hause". Abends verabschiedete ich mich von Frl. Mühlmann und dem Ehepaar Alberti. Mutti packt meine Sachen, denn morgen muß ich wieder weg von meiner Familie.
Hier eine Zwischenbemerkung:
Seit einiger Zeit war ich mit Pallotinerpater Ferdinand Kastner, der aus Tassau stammte, in brieflicher Verbindung. Da ich nirgends ein neues Buch für meine täglichen Eintragungen auftrieb, hat er mir ein Büchlein, 12 x 6 cm, gesandt, in das ich unser bewegtes Jahr 1948 eintrug!
5. Januar 1948. Trudel geht zum Bahnhof Westend um ½ 6. Fahre bis Tanne, oben im Harz, dann über Benneckensteine nach Hochegeiß zum Bus. Der Bus war überfüllt. So ging ich zu Fuß nach Zorge, 5 km! Da ich mit keinem Zug oder Bus mitkam, gehe ich wieder zu Fuß weiter, nach Walkenried, 7 km. Einer Frau lade ich mein Gepäck auf einen Handwagen. Löse Fahrkarte nach Lüdinghausen, 30,40 RM. Deutsche Polizei kontrolliert die Pässe. Wie bei jeder Fahrt, ob in der Zone oder im Westen, die Züge und Busse sind immer zum Bersten voll. Wieder im Wartesaal übernachten. So war ich am nächsten Tage erst um 9.30 Uhr wieder auf meiner Arbeitsstelle bei Overhaus. Von allen wurde ich freudig begrüßt, besonders von den Kindern. Nach dem Essen gleich ins Bett, dann Kleidung auspacken, Mittagessen und wieder ins Bett. Nächsten Tag fing ich wieder mit der Arbeit an. Es geht noch schwer, habe Nierenschmerzen und vom vielen Marschieren und Herumstehen tun mir die Beine weh. Aus Blankenburg brachte auch u.a. auch Schreibfedern mit, gebe davon Franz Overhaus und Frau Göbel. Ein, für mich recht komisches, Eichenfällen habe ich in diesen Tagen mitgemacht. Die stärksten Bäume wurden von drei Seiten angehauen, drei Mann mit scharfen Beilen schlugen gleichzeitig tiefe Kerben in den Baum, bis noch ein Stutzen stand, der dann abgesägt wurde.
Von Pater Kastner erhielt ich ein Angebot. In der französischen Zone wird auf einem Hof ein Betriebsleiter gesucht. Eine Anschrift wußte er nicht. Er gibt mir die Adresse von einer Marienschwester, deren Schwester ist Kriegerwitwe. Schwester Clariceta teilt mir bald die Adresse von Frau Christine Junglas in Forst, Kreis Cochem, mit. Gleich schrieb ich an sie und schilderte ihr unsere derzeitige Lage. Frau Junglas antwortet mir darauf, daß sie eine so große Familie nicht unterbringen kann. In der Zwischenzeit hatte ich auf einige Suchanzeigen Bewerbungen eingereicht und selbst ein Inserat aufgegeben. , erhielt aber von keinem eine Antwort. So schrieb ich nochmals an Frau Junglas einen richtigen Jammerbrief. In ihrer Anwort lud sie mich zur Aussprache nach Forst ein. Gleich morgen will ich den Interzonenausweis beantragen.
Eine für mich wichtige Begebenheit muß ich hier niederschreiben. Als ich mal beim Pferde füttern war, stand die kleine Maria Overhaus neben mir und guckte mir zu. Dabei sagte sie: "Onkel Feist, Du bist immer so lieb und fleißig!" Darüber haben wohl ihre Eltern gesprochen. Ich kenne ja nun den Betrieb und arbeite, als wäre ich daheim in Tassau auf unserem Hofe. Am 28.Februar 1948 stellte ich den Antrag auf Interzonenpaß in die Französische Zone. Soll ihn am 10. März abholen. Als ich an diesem Morgen dem Chef sage, daß ich heute den Paß abholen will, wird er bös, sagt: "Jetzt, wo die Feldarbeit losgeht und Sie alles können, wollen Sie gehen!" Um 11 Uhr läßt er mich dann gehen. Ich fahre mit dem Fahrrad nach Lüdinghausen, hole den Paß. Bei der Kartenstelle erhalte ich die Lebensmittelabmeldung bis auf weiteres.
11. März. Ich ziehe mir gleich Reisekleider an und alte darüber, putze die Pferde. Der Chef ist heute freundlich, gibt mir 150 RM und fragt mich, wann ich aus Forst wiederkomme. Er meint in zwei Tagen! Das wird wohl nicht gut möglich sein, sage ich. Im Vergleich zu den anderen Bahnfahrten ging es sehr angenehm zu, konnte bis Koblenz sogar sitzen. Von Karden aus ging damals kein Bus. einige Frauen gehen auch die 7 km. Eine fragte mich, wo ich in Forst hin will. Als ich sage, zu Frau Junglas, sagt eine: "Da fallen Sie nicht in die Jauchegrube, wenn Sie in den Hof rein kommen!"
12. März, Karfreitag. Nach dem Kirchgang kommt Herr Ternes, der Bruder von Frau Junglas, der im Nachbardorf Binningen einen Bauernhof hat. Bei einer Flasche Wein beraten wir bis abends. Gehe am 13. März beizeiten nach Binningen. Der dortige Schmied fährt uns mit Motorrad nach Cochem, ich im Beiwagen. Beim französischen Übersetzungsamt Pies, Moselstraße, gebe ich von der ganzen Familie die Personalien an. Gegen Abend sind wir glücklich wieder zurück. Es ist eine herrliche Gegend, die Eifel und dann an der Mosel die hohen Berge. Ich habe so etwas noch nie gesehen.
Zur Pfarrei Forst gehören noch fünf Dörfer. In jedes Dorf wird der Pfarrer oder Kaplan mit Pferdefuhrwerk gefahren. Am Sonntag, 14. März 1948, als ich durch den Pfarrhof in die nahe Kirche gehen wollte, war die Kutsche eben angekommen. Das Pferd trat zu weit vor und brach mit der morschen Decke über der Jauchegrube ein. Mit einigen Männern half ich, das Pferd herauszuziehen. Am nächsten Tag fuhr ich wieder zurück nach Lüdinghausen.
Von meiner Schwester Maria Sellený erhielt ich eine Brief aus Dolný Rybnicy bei Nachod mit einem 20 Markschein. Sie wollen uns helfen, wir sollen zu ihnen kommen! Dem Vater geht es nicht gut, er würde verzehren! In diesen Tagen stellte sich mein Nachfolger beim Chef vor, Werner Wilde, 19 Jahre, aus Hermsdorf, Kreis Waldenburg. Herr Overhaus fragte mich, wann ich hier weggehe. Das hängt von der Zuzugsgenehmigung ab! Was tue ich, wenn sie abgelehnt wird?
Herr Overhaus hatte auf meinen Wunsch eine Zuzugsgenehmigung mit Schreibmaschine getippt. Alle Namen von meiner Familie mit Geburtsdaten drauf. Besonderer Vermerk darauf: Arbeit und Wohnung sind vorhanden! Diesen Zettel schickte ich an Frau Junglas, sie soll ihn vom Ortsbürgermeister unterschreiben und stempeln lassen. In einigen Tagen hatte ich das Schreiben zurück. Immer wieder fragt mich der Chef, wann ich fort gehe. Ich weiß es selbst nicht, erwarte täglich die Zuzugsgenehmigung von der französischen Verwaltung Cochem. Am 23. März tritt mein Nachfolger an, Werner Wilde.
Inzwischen hatte ich den Interzonenpaß nach der russischen Zone beantragt, den ich am 25. März abholte. Auf die amtliche Zuzugsgenehmigung habe ich in Lüdinghausen - Berenbrok vergeblich gewartet. Mein Paß gilt nur bis 22. April, so ist es unsicher, ob ich bis dahin alles überwinden kann. Ich will ja noch in Rehburg bei meiner Schwester Friedel und ihrer Familie und bei Trudels Schwester Marichen die Reise unterbrechen. Sie hat die Zuzugsgenehmigung für Oma in die britische Zone besorgt. Ich ließ meinen Interzonenpaß verlängern. Er gilt bis 27. Mai. Am 30. April verabschiede ich mich von der Familie Overhaus. "Onkel Felix" fährt mich mit dem schweren Gepäck nach Lüdinghausen. Meine sämtlichen Klamotten und dann noch viel Lebensmittel von Frau Overhaus. Tausche Lebensmittelmarken gleich in Reisemarken um. Gehe mit dem vielen Gepäck nach Brochtrup, wo Schwager Richard mit den beiden Jungen Franz und Rudi bei Bauer Frintrup wohnt. Eine halbe Stunde Fußweg in die Bauernschaft. Am 1. und 2. Mai 1948 bleich ich dort. Mit Herrn Frintrup und seiner Schwester, beide sind alt und leidend, unterhalte ich mich lange. Sehr großes Interesse haben sie, als ich von daheim erzähle, drei polnische Parteien auf dem Hofe, vom "Stehlen" unserer Kalbe am 19.8.1946. Frau Frintrup gibt auch Speck und Fett mit und Reisebrote.
Frühzeitig, am 3. Mai, gehe ich bei Frintrups los. Es ist noch finster draußen. Der Bus fährt 5.35 Uhr, ist überfüllt. So war es auch in den Zügen, Verspätungen, warten, nicht mitkommen. Hinter Bielefeld kann ich endlich meinen schweren Rucksack absetzen, schlafe darauf eine Stunde. Um ½ 8 kam ich endlich in Rehburg an. Gehe für eine Stunde zu Schwägerin Marichen und dann zu Friedel über Nacht. Nächsten Tag früh raus. Ich bin sehr müde, gehe nochmal zu Marichen, treffe alle vier Jungen auf dem Schulweg. Friedel kommt auch zum Bahnhof mit Gerhard und Maria. In Rehburg fährt statt dem Zug heute ein Bahnbus. Unterwegs in Kleinbahn umsteigen. So bin ich erst ½ 12 Uhr in Hannover. Tausche meine Interzonenmarken um, muß über zwei Stunden in der langen Schlange warten. Gebe den schweren Rucksack ab, muß 3,- RM für Versicherung bezahlen. Suche die Flüchtlingsleitstelle auf. Erhalte dort Zuzugsgenehmigung für Oma, Trudels Mutter.
Bin endlich um 20.30 Uhr in Bad Harzburg, muß im Wartesaal übernachten, schlafe am Tisch mit Unterbrechungen bis 4 Uhr morgens. Fahre mit der Bahn nach Eckertal. Dort steht der Russe am Schlagbaum, er läßt mich trotz meinem Interzonenpaß nicht durch, sagt: "Zurück, hier verboten, Marienborn!" Ein etwa 14jähriger Junge führt mich mit noch anderen hintenrum. Zweimal wurden von deutscher Polizei die Papiere kontrolliert. Auf der Rückreise sollen wir über Halberstadt. Da nach Blankenburg erst nachmittags ein Zug geht, fahre ich nach Thale und von dort nach Blankenburg. Bin um ½ 4 da.
Wir gehen alle in die Kirche, nachmittags gehe ich mit den Kindern zum Rummelplatz, dann zur Maiandacht, Lenchen zum Kommunionsunterricht.
7.5. gehe ich zu verschiedenen Behörden, u.a. zur russischen Kommandantur., Hesungerstraße. Hacke nachmittags Buchenholz, Heine und Gotthard bringen mir immer wieder neue Brocken. Am 8.5. gehe ich zum Umsiedler Amt. Erfahre dort, daß wieder Transporte in die französische Zone gehen, wir müßten über Eisenach. Bei der Bahn sagt man mir, sie nehmen für andere Zonen kein Gepäck an! So frage ich bei Spediteur Ilies an. Er kann erst in drei bis vier Wochen eine Ladung zusammen haben. Ich muß mich weiter bemühen, denn solange können wir nicht warten. Nachmittags gehen die Kinder wieder zum Rummelplatz. Auch Trudel und ich fahren mal auf dem Riesenrad.
Die von Herrn Overhaus getippte Zuzugsgenehmigung, gestempelt und unterschrieben vom Forster Bürgermeister, legte ich beim Umsiedleramt vor. Der Beamte sagt mir, daß der Stempel der französischen Militärbehörde fehlt. Das war mir auch bekannt, aber die im März beantragte Zuzugsgenehmigung aus Cochem hatte ich eben nicht und habe sie auch nie erhalten. Trudels Mutter hat ja die richtige Zuzugsgenehmigung nach Rehburg, britische Zone. Ich plane, da Oma nicht allein reisen kann, Trudel als Begleitperson und die Kinder, da sie längere Zeit ohne Mutter nicht sein können, von hier aus der russischen Zone heraus zu bekommen. Unser Gepäck soll auf Omas Namen mir befördert werden. Alle diese Laufereien und erfolglosen Erkundigungen haben mir schwer zugesetzt. Kopfschmerzen, Magendruck. Oft lege ich mich ins Bett, massiere mir den Magen. Spaziere mit den Kinder auswärts. Frage wieder beim Umsiedleramt und beim Bahnhof wegen Gepäckbeförderung nach. Es wird nichts angenommen. Als ich mit den Mädels in die Maiandacht gehe, steht bei Kaufmann Körner ein Lastwagen aus Hannover. Ich frage ihn, ob er uns und unser Gepäck mitnehmen könnte. Er sagt, daß er heute viel Ladung hat, aber nächste Woche kommt er wieder. Ob es dann klappt?
Eine kleine Pause in unseren Reiseplänen haben wir über Pfingsten 1948.
16.Mai 1948, Pfingstsonntag
Heute ist Lenchen Erstkommunions-Tag. Unsere Tochter hat heute ihren großen Tag. Albertis sind zum Kaffee da und abends auch Frl. Mühlmann. Pfingstmontag war Prause Magda mit ihrer Mutter bei uns. Sie sind im Nachbarort Heimburg, stammen auch aus Tassau. Die Mädels gehen dann alle drei mit nach Heimburg.